Borderline und Angsterkrankung – das ist ungefähr so, als würde man ein Lagerfeuer und eine Gasflasche zusammen in ein Cabrio setzen und sagen:
„Fahr vorsichtig.“
Eine Partnerschaft mit Borderline ist ein bisschen wie ein
Roadtrip in einem Cabrio durch eine atemberaubende
Landschaft:
unglaublich intensiv, manchmal chaotisch, oft
wunderschön – und gelegentlich fragt man sich, ob das Navi
vielleicht absichtlich die dramatische Route gewählt hat.
Als Borderliner fühlt man nicht einfach.
Nein, man
erlebt Gefühle wie eine Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug mit
kaputten Bremsen:
Manchmal rase ich durch Freude, manchmal durch
Wut, manchmal durch beides gleichzeitig – und das bitte in Dolby
Surround.
Drei Jahrzehnte – UND ER HAT IMMER NOCH ALLE HAARE
Nach drei Jahrzehnten Ehe weiß ich vor allem eines:
Mein
Mann verdient eine Auszeichnung.
Mindestens einen
Orden.
Oder einen eigenen Feiertag – „Tag des geduldigen
Partners“.
Mit Kuchen, Applaus und einer Schweigeminute für
seine Nerven.
Drei Jahrzehnte – das ist ungefähr so lang wie die Haltbarkeit
eines guten Eichenholztisches.
Nur dass unser Alltag weniger
stabil war und deutlich mehr Geräuschkulisse hatte.
Unsere Beziehung nennt man nicht einfach
„Partnerschaft“.
Nein.
Das ist ein Ehe-Actionpark, ein
Gefühls-Blockbuster und manchmal eine romantische Komödie mit
Improvisation, in der ich die Hauptrolle spiele – inklusive
spontaner Stimmungswechsel, dramatischer Monologe und Handgesten, die
jedem Theaterintendanten Tränen in die Augen treiben würden.
Wenn aus Kleinigkeiten Endgegner werden
Während andere Paare darüber streiten, wer den Müll rausbringt, kämpfe ich innerlich manchmal mit einem kleinen Drachen, der schreit:
Rationale Version von mir:
„Beruhigen. Ruhig bleiben. Du bist
erwachsen.“
Emotionale Version:
„ATTACKE!“
Mein Mann steht daneben, schaut mich an und man sieht förmlich,
wie in seinem imaginären Notizbuch steht:
„Neuer
Eintrag: Butter ist heikel.“
Mit Borderline bekommt ein Partner nicht einfach mich.
Er
bekommt ein All-Inclusive-Gefühls-Abo im Premiumtarif.
Wenn ich etwas nicht will, dann IST es Abwertung.
Aber manchmal beschließt mein Gehirn eben sehr professionell, eine interne Krisensitzung einzuberufen und Vorschläge einzureichen wie:
„Vielleicht einfach alles dramatisieren?“
„Option B: Sofort beleidigt sein. Passiv-aggressiv deluxe.“
Und ich sitze dann mitten im Gefühlsspektakel und denke:
„Es
wäre SO viel leichter, nicht auszurasten.“
Aber meine
Gefühle sind halt kleine Rabauken – mit Flammenwerfer.
Warum unsere Beziehung trotzdem funktioniert
Borderline ist nicht ich.
Aber es ist ein Teil von mir
– genau wie meine Lieblingsschokolade, meine Schlafposition und
mein Talent, Dinge zehnmal intensiver zu spüren als andere.
Es ist stürmisch.
Es ist still.
Es ist übertrieben.
Aber
es macht mich auch leidenschaftlich, loyal, empathisch und voller
Herz.
Wir haben eine gemeinsame Überlebensstrategie
entwickelt:
Teamgeist + Liebe + schwarzer Humor auf Profi-Level.
Wir haben nicht einfach Beziehung –
wir haben Comedy
mit Liebe und gelegentlich Rauchentwicklung.
Er ist der Mann, der selbst dann einen Spruch reißt, wenn ich im
„Ich-werfe-gleich-die-Fernbedienung“-Modus bin.
Und das
Beste?
Es funktioniert.
Er hilft mir, wenn mein Kopf läuft wie eine Waschmaschine im
Schleudergang.
Ich helfe ihm… nun ja… seine Geduld zu
testen.
Ausgiebig.
Wir können über Dinge lachen, für die andere Paare zum Scheidungsanwalt rennen würden.
Und Außenstehende glauben oft
genau das:
„Oje, die stehen kurz vor der
Trennung.“
Nein.
Wir stehen kurz vor dem nächsten
Lachflash.
Wir lachen über mich, wenn ich „ICH BIN NICHT WÜTEND!!!“
schreie – in einem Ton, der eindeutig anderes sagt.
Wir lachen
über ihn, wenn er versucht, logisch zu argumentieren.
Logik!
Bei MIR!
Ich bitte dich.
Wir lachen über uns.
Über alles.
Unser Humor ist so schwarz, der trägt fast Kutte.
Unser Alltag, für andere ein Mysterium
Die Leute drehen sich entsetzt um, während wir Tränen
lachen.
Für Außenstehende wirkt es wie ein Ehekrieg.
Für uns
ist es Dienstag.
Ein typisches Kommunikationsbeispiel:
Ich: „Wenn du noch EINMAL so atmest, vergrabe ich dich im
Garten.“
Er: „Okay, aber bitte an der sonnigen Stelle – ich
will einen schönen Ausblick.“
Wir: Lachen.
Umstehende:
„WHAT. THE. HELL.“
Er schafft es, in kritischen Momenten immer noch einen Spruch zu machen:
Ich: innerlich Alarmglocken läutend
Er: „Beruhig
dich, Schatz. Dein innerer Drache sabbert schon den Teppich voll.“
Ich kann aus einer Mücke ein Drama in drei Akten machen –
aber
ich kann genauso schnell wieder lachen, wenn er mir nur die richtige
Grimasse zeigt.
Unsere Gespräche klingen oft, als würden wir uns gegenseitig
zerlegen –
aber eigentlich sagen wir damit:
„Ich liebe dich… du wunderschöne Katastrophe.“
Unsere Beziehung ist kein Rätsel – Sie ist ein Meisterwerk
Wir streiten nicht.
Wir kommunizieren nur… farbenfroh.
Mit
Würze.
Mit Kanten.
Mit einer Prise Beleidigung.
Und mit
einer Liebe, die stark genug ist, jeden Spruch zu überleben.
Kurz gesagt:
Wir zwei sind wie Feuer und Benzin.
Aber Humor ist unser
Kleber.
Liebe ist unser Fundament.
Und Borderline?
Tja… das sorgt für Spezialeffekte, Baby.
Nach so vielen Jahren kann ich sagen:
Wir sind nicht normal.
Wir sind besser.
Witziger.
Intensiver. Ehrlicher.
Und wir bleiben zusammen –
mit
Humor…
Geduld…
und gelegentlichen Sicherheitsgurten.










