Samstag, 10. Januar 2026

 

Borderline gleich Narzissmus – ein bisschen Klartext aus meinem Leben

Borderline gleich Narzissmus –
ein bisschen Klartext aus meinem Leben
 
Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, dass jemand zu mir sagte: "Ah, du bist doch Borderlinerin – also eigentlich ein bisschen Narzisstin, oder?"
 
Ich hätte fast gelacht… fast. 
Weil nein. Ganz klar: Borderline ist nicht Narzissmus.
 
Und trotzdem höre ich es immer wieder. Warum? Weil Menschen oft nur mein Verhalten sehen, die heftigen Emotionen, die Nähe-Distanz-Dramen, manchmal impulsive Reaktionen, und sofort eine Schublade aufmachen: „toxisch“.
 
Sie sehen nicht, was innen passiert: die ständige Angst, verlassen zu werden, die Selbstzweifel, die Gedankenspiralen, das Gefühl, dass alles wackelt und jederzeit zusammenbrechen könnte.
 
Ein typischer Moment aus meinem Leben:
 
Ich schreibe meinem besten Freund eine Nachricht: „Ich vermisse dich, und ich habe Angst, dass du mich ignorierst…“
Er antwortet ein bisschen spät, und sofort fährt mein Herz Achterbahn. „Er mag mich nicht mehr! Ich bin schon wieder zu viel! Warum kann ich nicht normal sein?“
Von außen mag das übertrieben wirken. Aber innen ist es pure Angst und Verletzlichkeit, kein Machtspiel.
 
Im Vergleich: Narzissmus
 
Ein Narzisst könnte in derselben Situation eher denken: „Warum hast du mir nicht sofort gesagt, dass du mich brauchst? Ich muss bewundert werden, sonst fühle ich mich schlecht.“
 
Hier geht es um die eigene Fassade, nicht um Angst vor Verlust. Die Energie geht nach außen, nicht so wie bei Borderline Betroffenen, die ständig zwischen innerem Chaos und Gefühlen hin- und herschwanken.
 
Alltagssituationen, die oft falsch verstanden werden:
 
  • Ich sage: „Ich brauche dich gerade“, und wirke dramatisch.
  • Ich reagiere impulsiv auf einen Streit, weil alte Ängste hochkommen. 
  • Ich ziehe mich zurück, aus Überforderung, und werde dann als „kalt“ oder „manipulativ“ bezeichnet.
Alles typisch Borderline. Nicht toxisch. Nicht narzisstisch. Nur menschlich, extrem intensiv.
 
Trotz aller Missverständnisse sind Borderliner im Gegensatz zu Narzissten, oft unglaublich empathisch.
 
Wir fühlen nicht nur unsere eigenen Emotionen extrem stark, sondern spüren auch die Stimmungen und Schmerzen anderer Menschen sehr intensiv. Oft nehmen wir die Gefühle unserer Freunde oder Partner quasi wie unsere eigenen wahr, manchmal zu sehr, sodass wir uns selbst dabei verlieren.
 
Das bedeutet: Wir wollen verstehen, helfen und verbinden, nicht kontrollieren oder manipulieren. Unsere Intensität wird leider oft falsch gedeutet, aber Empathie ist ein Kernstück unseres Wesens, selbst wenn die Außenwelt sie nicht immer sieht oder wir sie zeigen können.
 
Ja, es kann Überschneidungen geben, manchmal kann Verhalten oder Auftreten ähnlich aussehen. Aber das Innenleben ist völlig anders. Zwei Diagnosen, zwei Welten, zwei Arten von Schmerz.
 
Manchmal treten Borderline und narzisstische Züge zusammen auf, aber Borderline ist nicht automatisch Narzissmus, und Narzissmus bedeutet nicht automatisch Borderline.
 
Wie ich damit umgehe, wenn wieder jemand alles in einen Topf wirft
 
Jedes Mal denke ich: „Nein, nein und nochmal nein.“
 
  •  Humor:
Ich lache innerlich (manchmal laut):
"Borderline = Narzissmus. Dann wäre ich gleichzeitig extrem selbst hassend, verletzlich und unfassbar selbstverliebt – Chaos-Level 1000 garantiert."
  •  Kurz erklären, wenn ich Lust habe:
"Das sind zwei verschiedene Diagnosen. Ich lebe intensiv, aber das heißt nicht, dass ich mich über andere stelle."
Manchmal reicht ein Satz, und der Rest bleibt ungesagt.
 
  • Grenzen setzen:
Nicht jeder braucht eine Erklärung. Mein innerer Frieden ist wichtiger als die Meinung anderer. Punkt.
 
Im Alltag heißt das:
 
Manchmal werden meine Gefühle übersehen oder falsch gedeutet.
Ich denke dann: „Warum versteht niemand, dass ich einfach nur Angst habe? Dass es nicht um Kontrolle oder Drama geht, sondern um Verletzlichkeit?“
 
Dann atme ich tief durch, lache über mich selbst, wenn es geht, und erinnere mich: Mein Schmerz ist echt, meine Angst legitim, und ich darf sie fühlen.
 
Borderline ist kein Narzissmus, sondern eine Welt voller Intensität, Emotionen und Verletzlichkeit.
 
Wenn wir lernen, genauer hinzusehen und wirklich zuzuhören, verschwinden die Schubladen. Dann erkennen wir, dass hinter scheinbarem Chaos oft ein herzlicher, empfindsamer Mensch steckt, der Liebe, Sicherheit und Verständnis sucht.
 
 

Samstag, 20. Dezember 2025

Vorsicht Weltuntergang

 

Überlebenshandbuch für ein überdramatisches Borderline Gehirn - Wenn jede Kleinigkeit wie ein Weltuntergang wirkt

Überlebenshandbuch für ein überdramatisches Borderline Gehirn - Wenn jede Kleinigkeit wie ein Weltuntergang wirkt 
 
🪜Treppensturz-Drama
Ein kleiner Stolperer auf der Treppe = „Rippen gebrochen, Krankenhaus, letzte Stunde!“
Realität: Ich stehe noch. Balance = gerettet.
 
📺Verschwundene Fernbedienung
„Katastrophe! Keine Kontrolle über Netflix, Chaos total!“
Realität: Sofakissen haben sie gefressen.
 
📱Handy nicht auffindbar
„Alarm! Weltuntergang! Alle Benachrichtigungen verpasst!“
Realität: Es liegt auf dem Tisch. Panik adé.
 
🌐WLAN-Ausfall
„Zivilisation kollabiert! Niemand kann mich erreichen!“
Realität: Sekunden später wieder online. Krise gemeistert.
 
🧑‍🤝‍🧑Partner*in spricht kryptisch
„Kommunikationskollaps! Beziehung in akuter Gefahr!“
Realität: Es ging nur um Salz. Panik unberechtigt.
 
🛒Einkaufsliste verloren
„Hungersnot! Lebensmittel-Katastrophe!“
Realität: Chips retten die Situation. Überleben gesichert.
👻Unerwartetes Geräusch im Haus
„Einbrecher! Zombies! Panikmodus aktiv!“
Realität: Es war nur die Partner*in, die Socken sucht.
 
🛁Etwas fällt im Bad
„Blutbad! Krankenhausalarm!“
Realität: Haarbürste unversehrt. Frieden wiederhergestellt.
 
🍞🔥Brot brennt im Toaster
„Feuer! Kücheninferno! Weltuntergang!“
Realität: Fenster auf, halb verkohlter Toast – Überleben!
 
⏰Wecker klingelt nicht
„Spät aufstehen! Chaos! Apokalypse!“
Realität: Noch Zeit genug. Panik optional.
 
💡Lichtschalter hakt kurz
„Stromausfall! Dunkelheit! Totale Panik!“
Realität: Ein sanftes Wackeln, alles wieder hell.
 
🧊Kühlschrank brummt anders
„Kälteapokalypse! Lebensmittel verderben!“
Realität: Nur ein kleiner Motorstolperer, Milch noch gut.
 
🔋Handy-Akku bei 5 %
„Ende der Kommunikation! Weltuntergang imminent!“
Realität: Ladegerät griffbereit. Alles safe.
 
🗝️Schlüssel unauffindbar
„Gefangen! Hausflucht unmöglich!“
Realität: Lag in der Jackentasche. Drama vorbei.
 
🧹Staub auf dem Boden
„Apokalypse der Sauberkeit! Mikroben übernehmen die Welt!“
Realität: Kurzes Saugen, Frieden wiederhergestellt.
 
☔Regenschirm nicht parat
„Sturm! Flut! Modisches Drama!“
Realität: Nasse Haare, kein Problem. Partner*in lacht.
 
⏲️Küchentimer klingelt zu spät 
„Katastrophe! Kuchen wird verbrannt!“
Realität: Nur leicht gebräunt, immer noch lecker.
 
📬Postfach voller Werbung
„Briefkasten-Chaos! Überwachung des Imperiums!“
Realität: Einfach löschen, Überleben gesichert.
 
💇‍♀️Spiegelbild zeigt schlechte Frisur
„Gesichtsapokalypse! Niemand wird mich erkennen!“
Realität: Nur drei widerspenstige Haare, kleine Stil-Katastrophe.
 
👜Handtasche voller unnötiger Dinge
„Tragödie! Alles verloren, Chaos in der Tasche!“
Realität: Schlüssel, Portemonnaie, Handy da – keine echte Katastrophe.
 
🛍️Partner*in verschwindet kurz beim Einkaufen
„Verschollen! Familientragödie!“
Realität: Nur im Gang nebenan. Panik übertrieben.
 
🍽️Ein unbekannter Ton aus der Küche
„Feueralarm! Explosion! Sirenen überall!“
Realität: Partner*in hat nur die Spülmaschine gestartet.
 
💥Ein plötzlicher Knall aus dem Wohnzimmer
„Explosion! Panik! Haus wird zerstört!“
Realität: Das Buch ist aus dem Regal gefallen.
 
🖥️Ein Summen oder Piepen aus dem Gerät
„Systemabsturz! Computerapokalypse!“
Realität: Der Drucker meldet nur Papiermangel.
 
📦Ein Rascheln hinter der Tür
„Monster! Einbrecher! Zombieangriff!“
Realität: Nur ein Paket, das der Postbote abgestellt hat.
 
🪜Klopfen aus dem Dachboden
„Geister! Dämonen! Panik!“
Realität: Äste schlagen gegen das Dach.
 
🍲Summen aus der Mikrowelle
„Atomkatastrophe! Explosion!“
Realität: Essen wird einfach erwärmt.
 
🧱Knackendes Geräusch aus der Wand
„Einsturz! Haus in Gefahr!“
Realität: Heizungsrohr arbeitet.
 
🚨Piepen aus dem Rauchmelder
„Feuer! Explosion! Panikmodus!“
Realität: Batterie schwach, kein Feuer.
 
🎬 Epilog: Überleben in der Alltags-Apokalypse 🎬
Herzlichen Glückwunsch! 🎉 Du hast es geschafft, die ultimative Sammlung von dramatischen Alltags-Situationen zu überleben – von Stolperern über verschollene Fernbedienungen bis hin zu brennenden Toasts, panischen Handy-Alarmen und geheimnisvollen Geräuschen im Haus. Dein Herzschlag ist noch vorhanden, deine Balance intakt – und der Kaffee (oder Chips) sind unversehrt.

Bevor du dieses Meisterwerk zur Seite legst, eine kurze, sehr ernste Entschuldigung:
Ja, ich habe genderneutral geschrieben.

Ja, das war manchmal etwas sperrig.
Aber seien wir ehrlich: Wenn wir schon beim Überleben von Alltags-Apokalypse-Szenarien sind, konnte ich einfach nicht riskieren, dass sich jemand ausgeschlossen fühlt. Egal, ob Partner*in, Mitbewohner*in, Haustier-ähnliches Wesen oder imaginäre Freunde – die Panik ist für alle gleich! 🌍

Also, schnapp dir deinen halb verkohlten Toast, lehne dich zurück und erinnere dich:
Jede noch so kleine Alltagskatastrophe ist überlebbar – und meistens völlig harmlos. Dein Gehirn mag Alarm schlagen, aber am Ende hast du noch immer den Toast in der Hand.



Mittwoch, 17. Dezember 2025

Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch

 

Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch

Angst im Alltag – Teil 2: Mein Nervensystem auf Weltreise (Tour de Panik)
 
Im Auto – die mobile Katastrophe- hatten wir ja schon mal (leider)
Wir fahren also in den Urlaub.
Wie jedes Jahr. Ein- bis zweimal.
510 Kilometer. Inklusive Fähre über die Elbe.
Eigentlich Routine. Eigentlich.
 
Kaum ist der Motor an, meldet sich mein Gehirn mit der wichtigsten aller Fragen:
„Wo ist das nächste WC?“
Ich war vor fünf Minuten noch zu Hause.
Ich war zehnmal auf der Toilette.
Ich habe vorsorglich nichts getrunken. Gar nichts.
Wüstentauglich.
 
Und trotzdem: Mein Körper tut jetzt so, als hätte ich seit 1997 keinen Zugang mehr zu sanitären Anlagen gehabt.
Wir sind exakt 800 Meter gefahren.
Ich plane innerlich bereits, wie man notfalls am Seitenstreifen würdevoll verschwindet.
 
Urlaub beginnt eben im Kopf. Leider in meinem.
 
Autobahnauffahrt – Highspeed-Horror für Anfänger
 
Selber fahren? Schon lange nicht mehr.
Ne ne. Ohne mich.
Ich bin mittlerweile lieber Beifahrer.
Der, der panisch wird und dabei sehr hilfreich ruft:
„PASS AUF!“
„DER KOMMT SCHNELL!“
„WAS MACHST DU DA?!“
„FAHR NICHT ZU DICHT AUF, BREMSEN, BREMSEN, BREMSEN.
 
Autobahnauffahrt. Mein persönlicher Escape Room.
Blinker an. Gas.
LKW von links. LKW von rechts.
Mein Herz rast, mein Hirn ruft:
„Das war’s. Hier endet alles. Sag dem Fahrer, er soll ohne mich weiterfahren.“
Wir fahren auf die Autobahn.
Ich lebe noch.
Ich atme.
Puh, geschafft.
 
Zeit zu entspannen? Nein. Jetzt geht es erst richtig los.
 
Nanu… warum stirbt mein Bein gerade?
 
Plötzlich wird mein Bein taub. Eiskalt. Schmerzt.
Diagnose in meinem Kopf nach 0,3 Sekunden: Lebensgefährliche Thrombose. Mindestens. Vielleicht sogar sofortiger Tod.
Ich sehe mich innerlich schon in einer ZDF-Doku:
„37 Grad – meine persönliche Geschichte.“
 
Eine Drei-Sekunden-Momentaufnahme.
Ich sage mit brüchiger Stimme:
„Ich wollte doch nur in den Urlaub fahren.“
 
Dann die Erkenntnis: Ach nein. Nur das Gebläse. Eiskalte Luft direkt aufs Knie.
Mein Knie: Drama. Mein Gehirn: Oscar-reif.
 
Angekommen am Meer – der Leuchtturm
 
Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch.
 
„Ach komm“, sagen sie.
„Der Ausblick ist toll.“
 
Steile Treppen hoch. Noch mehr Treppen. Eng. Stein. Kein Geländer, dem ich emotional vertrauen könnte.
Oben angekommen: Aussichtsplattform. Wind. Weite. Watt. Himmel. Kein Fluchtweg.
Mein Gehirn meldet:
„Was, wenn du einfach… runterkippst?“
Ich lächle gequält und klammere mich an meinen Partner wie ein Koala an seinen Lieblingsbaum.
 
Und denke: „Warum sind Menschen freiwillig höher als zwei Meter über dem Boden?“
Der Ausblick? Wunderschön. Wenn man ihn sehen könnte, ohne innerlich einen Notfallplan für Hubschrauberrettung zu entwickeln.
Die Erkenntnis, dass wir ja auch wieder die ganzen Treppen runter müssen, ist auch eher suboptimal und wenig hilfreich.
 
OP und die Narkose des Grauens
 
Eine Operation steht an.
Wach sein wäre ungünstig – da sind wir uns einig.
Also: Narkose.
 
Der Anästhesist lächelt. Zu freundlich. Viel zu freundlich.
„Wir nehmen Lachgas.“
Fehler. Großer Fehler.
 
Das Erwachen – oder: LSD-Trip für Kassenpatienten.
Ich wache auf. Oder eher: Ich kehre aus einer anderen Dimension zurück.
Ich sehe einen Atompilz. In unfassbar intensiven Farben. Pink. Grün. Blau. Picasso hätte geweint.
 
Im Türrahmen des Krankenhauses findet offenbar ein Massenmord statt. Oder eine sehr kreative Theaterprobe. Ich bin mir nicht sicher.
Ich denke: „Aha. So fühlt sich Wahnsinn an.“
 
Kein LSD-Trip könnte bunter, absurder und beängstigender sein. Mein Gehirn hat einfach beschlossen, Kunst zu machen. Leider Horror.
 
Im Kino – freiwilliger Horrortrip
 
Ein guter Film hat mich reingelockt.
Wie eine Motte ins Licht. Oder wie jemand mit Höhenangst auf einen Leuchtturm.
Ich sitze da. Dunkel. Viele Menschen. Keine schnelle Flucht.
Und dann der Gedanke:
„Wie peinlich wäre es eigentlich, ausgerechnet während eines Horrorfilms den Löffel abzugeben?“
 
Die Leute würden denken: „Krass, der Film war echt heftig.“
Nein. Der Film war okay. Mein Nervensystem hat nur komplett überreagiert.
Horrorfilm – die beste Wahl für jemanden mit Panik.
 
Eine pädagogisch wertvolle Erfahrung für meine Angst.
 
Der Supermarkt – ohne geht ja nicht. Hungertod ist auch keine Lösung
 
Schon am Eingang: Zu viele Menschen. Zu wenig Platz.
Einkaufswagen, die völlig überraschend stehen bleiben – als hätten sie gerade eine existenzielle Krise.
Jemand rückt mir zu nah auf.
Jemand rammt mir seinen Wagen in die Hacken.
Ein anderer bleibt mitten im Gang stehen und überlegt ausführlich, welches Mehl sein Lebenswerk vollendet.
 
Ich stehe dahinter. Gefangen. Mit Nudeln.
Mein Körper: Alarmstufe Rot. Herzrasen. Atemnot.
Eine explosive Mischung aus Fluchtreflex und innerer Aggression.
Mein Kopf sagt: „Wir müssen hier raus. Sofort.“
 
Der Wutkobold meldet sich auch. Er ist klein, sehr emotional und hält sich grundsätzlich für handlungsfähiger als ich.
Er kommentiert ungefiltert, hat keinerlei Interesse an Deeskalation und schlägt gedanklich sehr drastische, gesellschaftlich leider nicht akzeptierte Lösungen vor.
 
Ich atme tief durch. Ich bleibe. Ich kaufe ein. Regal für Regal. Jeder Griff ein Akt der Tapferkeit.
Und dann… die Kasse.
 
Supermarkt-Kasse – der Klassiker mit Nervenkitzel
 
Ich stelle mich an. Vor mir: drei Personen.
Mein innerer Kommentar: „Okay. Das schaffst du.“
Die erste Person vor mir zählt ihre Münzen – einzeln. Parallel sucht sie noch die Payback-App.
 
Mein innerer Kommentar: „Perfekt. Alles läuft nach Plan… nicht.“
Plötzlich springt die Kassiererin auf wie ein wildes Kastenteufelchen und rennt davon, weil an einem Produkt der Preis fehlt.
Mein innerer Kommentar: „Natürlich. Warum nicht?“
 
Mir wird warm. Mein Herz klopft. Kurz überlege ich, die Einkäufe einfach stehenzulassen und ein neues Leben zu beginnen. 
Vielleicht in einem Land, wo Regeln existieren und Münzen automatisch sortiert werden. Oder in einem Land mit Teleportation direkt nach Hause. Wäre auch nett.
 
Aber nein. Ich bleibe. Wie ein Held. Mit Käse. Und Brot.
 
Fahrstuhl – der gläserne Albtraum
 
Einsteigen geht noch. Türen zu.
Mein Gehirn meldet sofort: „Was, wenn er jetzt stecken bleibt?“
Ich rechne durch, wie lange ich ohne Sauerstoff überlebe. Es sind erstaunlich wenige Sekunden.
 
Die Aufzugmusik beginnt. Entspannende Harfe?
Mein innerer Kommentar: „Perfekt. Genau der richtige Soundtrack für das Ende.“
Jemand drückt den Knopf für jedes Stockwerk. Mehrfach. Wiederholt.
Mein innerer Kommentar: „Sehr clever. Je öfter du drückst, desto schneller… passiert… gar nichts.“
 
Moment mal… warum hat der Fahrstuhl eigentlich Glasfenster auf drei Seiten?
Damit man sieht, wie tief man theoretisch fallen könnte?
Ich starre in die Tiefe, während mein Magen Luftsprünge macht. Ja, Höhen sind definitiv nicht mein Ding.
 
Die Türen öffnen sich endlich – im richtigen Stockwerk. Ich atme tief durch und trete hinaus, als hätte ich gerade ein Survival-Abenteuer überlebt.
 
Mein innerer Kommentar: „Nie wieder. Nächstes Mal Treppe. 100 Stockwerke. Egal.“
 
Rolltreppen – auch keine Lösung
 
Die erste Rolltreppe. Noch niedrig. Fast harmlos.
Mein innerer Kommentar: „Okay, das geht noch. Beim dritten Versuch stehe ich auf der ersten Stufe, es geht aufwärts. Kein Drama.“
 
Die zweite Rolltreppe. Höher. Länger. Gefährlicher.
Ich trete auf die erste Stufe – und sofort meldet sich mein Gehirn:
„Das schaffst du nicht! Du wirst fallen! Du wirst rückwärts rollen und mitten im Menschenstrom aufschlagen!“
 
Zweiter Versuch: Mein Fuß zuckt zurück.
Mein Partner steht bereits auf der Treppe, fährt ruhig und gelassen wie ein Profi nach oben und wirft mir einen Blick zu, der sagt: „Na, kommst du auch?“
Atemlos rufe ich hinterher: „Ich nehme den Fahrstuhl!“
 
Dann korrigiere ich panisch: „Nein, besser doch die Rolltreppe… vielleicht seitwärts… oder rückwärts… nein, vorwärts, ganz normal… Moment, ich überlege es mir noch einmal!“
 
Passanten lächeln oder starren. Ich stelle mir vor, sie denken: „Ah ja, sie kämpft mit dem Hightech-Transportgerät.“
Am Ende habe ich es geschafft. Ich stehe zitternd wie ein Minion nach drei Tassen Espresso auf der ersten Stufe, schließe die Augen und schwebe – mit zusammengebissenen Zähnen und hochrotem Kopf – meinem Partner entgegen.
 
Und in diesem Moment schwöre ich mir: „Beim nächsten Mal… bleibe ich einfach beim Fahrstuhl. Oder ich bringe ein Sicherheitsnetz mit.“
 
Restaurantbesuch – soziale Panik-Edition
 
Ich betrete das Restaurant. Die Menschen sind das Problem. So viele Augen. So viele potenzielle Zeugen.
Mein Gehirn flüstert sofort: „Was, wenn du genau hier stirbst? Zwischen Vorspeise und Hauptgang. Öffentlich. Mit Publikum.“
 
Ich setze mich. Mein Herz klopft so laut, dass ich überzeugt bin, der Nachbartisch hört es mit.
Mein Körper beginnt geheime Krisensitzungen abzuhalten: Ist das Panik? Ein medizinischer Notfall? Oder dieser eine ungebetene Mini-Notfall, der unbedingt Aufmerksamkeit möchte?
Mein Gehirn entscheidet: „Alles gleichzeitig. Und bitte sofort.“
 
Ich sitze da, lächle höflich und führe innerlich einen Hochrisiko-Dialog mit mir selbst.
Jeder Moment fühlt sich an wie ein Mini-Thriller, jede Minute bringt ein neues Worst-Case-Szenario hervor.
 „Bleib ruhig“, denke ICH. Mein Körper denkt: „Oder wir eskalieren auf unsere eigene dramatische Art.“
Am Ende passiert – nichts.
 
Krass. Wieder überlebt. Und niemand hat etwas gemerkt.
 
Telefonieren mit der Bürokratie-Bestie
 
Ich wähle die Nummer, und sofort erhebt sich in meinem Kopf ein episches Orchester der Panik.
Am anderen Ende erklingt zunächst die Ansage: „Bitte warten Sie, alle Leitungen sind zur Zeit besetzt.“
Dann beginnt die Musik der Warteschleife – monoton, endlos, jeder Ton ein kleiner Trommelschlag auf mein Nervenkostüm.
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der Anspannung und Panik ausreichend Zeit hatten, sich aufzubauen, meldet sich endlich die Stimme des „Papierkrieg-Kommandanten“ – freundlich, aber mit der Durchschlagskraft eines Katapults.
 
Jede meiner Antworten fühlt sich an wie ein riskantes Manöver in einem Actionfilm: ein falsches Wort, und BÄM – das Formular explodiert (natürlich nur in meiner Vorstellung).
 
Nach 15 Minuten lege ich auf, mein Herz pumpt wie ein Hochgeschwindigkeitszug, und ich fühle mich wie ein Held, der gerade einen Drachen besiegt hat… der Drachen heißt Bürokratie.
 
Angst im Kopf, Oscar für den Mut
 
Eine kleine Angstreise im Alltag abgeschlossen
Treppen bestiegen, Fahrstühle bezwungen, Supermärkte überlebt, Lachgas getrotzt.
Kein Unfall – nur ich und mein innerer Panikmanager, der erleichtert in den Pausenmodus schaltet.
 
Oscar für das beste dramatische Gehirn in einer Nebenrolle namens Überleben.