Borderline: Wenn das Gefühlszentrum die Lautstärke falsch eingestellt hat
Borderline-Persönlichkeitsstörung gehört zu den am meisten missverstandenen psychischen Erkrankungen überhaupt.
Viele Menschen haben eine völlig falsche Vorstellung davon – oft geformt durch Filme, Klatschmedien oder wilde Internet-Mythen.
Deshalb grillen wir heute einen der beliebtesten Irrtümer. Mit Humor. Aber ohne jemanden zu verbrennen.
Der Mythos: „Menschen mit Borderline sind dramatisch und unberechenbar.“
Klar, natürlich.
Und ein Wasserkocher ist emotional instabil, weil er manchmal pfeift.
Dieser Mythos ist ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm im Orkan und basiert meist auf Halbwissen oder der grandiosen Idee, dass starke Emotionen = Drama = Borderline seien.
In Wahrheit funktioniert das so aber nicht.
Denn starke Gefühle allein machen noch keine Diagnose – sonst hätte die gesamte Menschheit zwischen Montagmorgen und Steuererklärung offiziell BPS.
Der Fakt: Borderline bedeutet intensives Fühlen, nicht „absichtlich Drama machen“
Menschen mit Borderline fühlen oft stärker, schneller und intensiver – wie ein Gehirn, dessen „Emotionen-Lautstärke-Regler“ auf 120% klebt.
Nicht, weil sie Aufmerksamkeit wollen. Nicht, weil sie kompliziert sein möchten.
Sondern weil ihr emotionales System anders funktioniert.
Ein paar Beschreibungen, die Betroffene selbst oft humorvoll verwenden:
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„Meine Gefühle haben keine Halbzeitpause.“
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„Ich habe nur zwei Modi: fühl gar nichts oder fühl alles gleichzeitig.“
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„Mein inneres Alarmsystem reagiert manchmal schon, bevor überhaupt etwas passiert ist.“
Das ist anstrengend – für den Menschen selbst, nicht nur für die Außenwelt.
Warum der Mythos unfair (und unnötig nervig) ist
Er reduziert Menschen auf ein Klischee
So, als würden wir alle Menschen mit Allergien als „überempfindlich“ abstempeln. Nein danke.
Er macht echte Gefühle lächerlich
Und das ist besonders unfair, weil gerade Menschen mit BPS oft sehr sensibel, empathisch und reflektiert sind.
Er verhindert Verständnis
Wenn das einzige Bild „Drama“ ist, sieht niemand den Schmerz, die Angst, die Unsicherheit dahinter.
Was man von außen selten sieht
Menschen mit Borderline sind oft:
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extrem empathisch
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absolut loyal
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tiefgründig
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kreativ
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feinfühlig
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emotional intelligent
Was man nicht sofort sieht:
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die innere Achterbahn
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die Angst, verlassen zu werden
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die Selbstzweifel
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das ständige emotionale Pendeln
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die Anstrengung, die eigene Intensität zu navigieren
Borderline ist kein „Drama“.
Es ist ein sensibles Nervensystem auf Hochleistungsmodus.
Wie man gut mit Betroffenen umgeht (ohne Psychologie-Studium)
Der Trick ist einfach:
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Geduld statt Panik
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Nachfragen statt reininterpretieren
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Grenzen statt Vorwürfe
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Offene Kommunikation ohne Drama-Label
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Humor, wenn er passt – nie auf Kosten der Person
Menschen mit Borderline „schwierig“ zu nennen ist wie zu sagen, ein Vulkan sei „ein bisschen warm“.
Es ist komplizierter – aber auch beeindruckender.
Zum Mit-nach-Hause-nehmen
Borderline ist keine Drama-Eigenschaft, sondern eine ernsthafte, komplexe emotionale Regulationserkrankung.
Und Menschen, die damit leben, sind nicht unberechenbar – sie navigieren einfach ein emotionales System, das manchmal auf Turbo läuft.
Mit Verständnis, Humor und Offenheit kann man sehr viel Stigma entkräften.
Und gleichzeitig zeigen:
Menschen mit Borderline sind mehr als die Mythen über sie. Viel mehr.

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