Borderline bedeutet nicht „anstrengend sein“ - es bedeutet, jeden Tag mit einem inneren Sturm zu leben, den niemand von außen wirklich sehen kann.
Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung erleben ihre Gefühle nicht einfach nur stärker — sie fühlen alles in einer Intensität, die oft überwältigend ist. Freude kann sich wie ein Feuerwerk anfühlen, das den ganzen Körper erfüllt, aber Schmerz kann ebenso gewaltig einschlagen, wie ein Erdbeben, das plötzlich alles erschüttert.
Einer der schwierigsten Aspekte ist diese instabile emotionale Welt: Ein kleiner Auslöser kann reichen, um jemanden in Sekunden von Hoffnung in Verzweiflung zu stürzen. Diese inneren Abstürze sind nicht freiwillig und auch nicht übertrieben — sie sind real, körperlich spürbar und oft beängstigend.
Dazu kommt die ständige Angst, verlassen zu werden. Eine verspätete Nachricht, ein veränderter Blick, ein kurzer Rückzug anderer kann sich anfühlen wie ein tiefer, unerwarteter Stich direkt ins Herz. Nicht, weil man „dramatisch“ ist, sondern weil das Nervensystem ständig auf Alarm steht. Beziehungen werden dadurch intensiv geliebt, aber auch intensiv gefürchtet.
Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, keinen festen inneren Boden zu haben — als würden sie auf einer brüchigen Brücke laufen, die jederzeit nachgeben könnte. Die eigene Identität verschwimmt; wer man ist, was man braucht, was man fühlt, kann sich täglich verändern.
Borderline bedeutet auch, eine unglaubliche Sensibilität zu besitzen: für Stimmungen, zwischenmenschliche Zwischentöne, Ungerechtigkeit und tiefe Emotionen anderer. Viele Betroffene haben ein riesiges Herz, das zu viel fühlt, zu tief liebt und oft an den falschen Stellen zu schnell bricht.
Die Erkrankung ist kein Zeichen von Schwäche. Im Gegenteil: Wer mit Borderline lebt, trägt eine Kraft in sich, die oft unterschätzt wird — die Kraft, jeden Tag aufzustehen, obwohl der Kampf im Inneren niemals wirklich pausiert.
Und dennoch: Mit Verständnis, Geduld und professioneller Unterstützung können Betroffene lernen, ihre Gefühle besser zu regulieren, sich selbst zu verstehen und ihr Leben mit weniger Schmerz und mehr Stabilität zu gestalten. Es ist kein einfacher Weg, aber er ist möglich.
Borderline ist kein Chaos – es ist eine übervolle Welt, die nach Ruhe verlangt.
Und es braucht Mut, jeden Tag darin weiterzugehen.

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