Donnerstag, 20. November 2025

Borderline jenseits der Klischees

 
Vorurteile über Borderliner- bzw. emotional instabiler Persönlichkeitstyp Borderline - ein ernstzunehmendes Problem

 
Vorurteile über Borderliner- bzw. emotional instabiler Persönlichkeitstyp Borderline - ein ernstzunehmendes Problem

Was im Internet über Borderliner verbreitet wird, ist oft erschreckend. Viele Menschen bedienen sich eines groben Schubladendenkens und scheuen sich nicht, abwertende und pauschale Urteile zu verbreiten. Dabei wird völlig vergessen, dass es um kranke Menschen geht, die Respekt und Verständnis verdienen.

Unter dem Deckmantel persönlicher Beziehungserfahrungen wird allen Borderlinern pauschal Beziehungsunfähigkeit unterstellt – als wären wir eine homogene Gruppe ohne Unterschiede oder Individualität.

Häufige Vorurteile

Hier einige Beispiele, wie massiv die Vorurteile ausfallen:

  • Borderliner seien Jammerlappen oder eingebildete Kranke.

  • Sie würden ständig manipulieren und lügen.

  • Sie seien faul und unzuverlässig.

  • Sie würden gesunde Menschen krank machen.

  • Sie seien grundsätzlich beziehungsunfähig.

  • Sie wollten nur Aufmerksamkeit und Mitleid.

  • Sie würden sich alle selbst verletzen.

  • Sie könnten nicht lieben oder Mitgefühl empfinden.

  • Sie seien Kompromiss unfähig.

  • Sie hätten keine eigene Persönlichkeit.

  • Sie seien gewalttätig und ohne Unrechtsbewusstsein.

  • Sie würden Probleme absichtlich ausblenden.

  • Sie seien therapieresistent oder Therapie unwillig.

  • Sie wollten sich nicht helfen lassen.

  • Sie könnten keine Nähe zulassen.

  • Ihnen fehle Reflexionsvermögen.

  • Sie hätten keine eigenen Wertvorstellungen.

  • Sie übernehmen keine Verantwortung.

  • Sie könnten nicht mit Geld umgehen.

  • Sie denken nur schwarz oder weiß.

  • Sie seien unberechenbare Monster.

Solche Aussagen sind nicht nur falsch, sondern auch entmenschlichend.

Borderliner sind Individuen

Diese Vorurteile lassen außer Acht, dass die BPS sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Symptome, Schweregrad und Umgang damit unterscheiden sich von Person zu Person erheblich. Extrem abwertende Vergleiche – etwa mit „Monstern“ oder „gefährlichen Tieren“ – sind sachlich falsch und fördern ein Klima der Ausgrenzung statt des Verständnisses.

Eine Beziehung mit einem Borderline-Betroffenen kann herausfordernd sein, ist aber keineswegs unmöglich. Sie erfordert Klarheit, Geduld und einen verlässlichen Umgang miteinander. Auch das Verhalten des Umfelds kann Symptome verstärken oder abschwächen.

Ein Blick auf meine persönliche Realität

Ich selbst lebe seit vielen Jahren in einer stabilen Ehe. Das zeigt, dass Beziehungsfähigkeit nichts mit der Diagnose allein zu tun hat, sondern mit der Dynamik zweier Personen. Unterschiedliche Bedürfnisse können jede Beziehung belasten – unabhängig von einer psychischen Erkrankung.

Ich verfüge über eigene Werte, Identität und ein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein. Gefühle wie Liebe, Mitgefühl und Schuld sind vorhanden, oft sogar intensiver. Kompromisse sind möglich, und langjährige Freundschaften belegen das.

Auch das typische Schwarz-Weiß-Denken lässt sich durch Therapie und Übung verändern.

Weg von Stigmatisierung – hin zu Verständnis

Es ist mein Anliegen, dass Borderliner nicht als Problem, Monster oder Belastung abgestempelt werden. Wir sind Individuen mit einer Diagnose – nicht eine Diagnose in Menschengestalt.

Borderliner verdienen Akzeptanz, Verständnis und Unterstützung. Therapie ist oft ein langer Weg mit Rückschlägen, aber es gibt Fortschritte. Angehörige können helfen, indem sie informiert, geduldig und beständig bleiben.

Ein Gedankenanstoß

Bei körperlichen Erkrankungen würde man einen Angehörigen unterstützen, statt ihn zu verurteilen oder auszugrenzen. Dasselbe Verständnis sollte auch bei psychischen Erkrankungen selbstverständlich.

 

 

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