Zwangsstörungen

Zwangserkrankungen / Zwangsstörungen

Eine Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, die jeden Lebensbereich betreffen kann. Sie zeigt sich vor allem durch wiederkehrende, unerwünschte Gedanken (Zwangsgedanken) und zwanghafte Handlungen (Zwangsrituale). Diese drängen sich den Betroffenen immer wieder auf – mechanisch, obsessiv und schwer kontrollierbar. Obwohl die Betroffenen diese Gedanken und Handlungen selbst als belastend oder unsinnig empfinden, gelingt es ihnen auch bei großem Widerstand oft nicht, sie zu unterdrücken.

Die ersten Zwangssymptome treten häufig bereits im Kindes- oder Jugendalter auf. Meist entwickelt sich die Störung dann im jungen Erwachsenenalter zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr vollständig. Ein erstmaliges Auftreten nach dem 40. Lebensjahr ist eher selten.

Zwangshandlungen verlaufen meist nach selbst festgelegten Regeln oder Mustern. Ein Beispiel: Eine betroffene Person berührt jede Herdplatte in einer ganz bestimmten Reihenfolge – ein Ritual, das exakt eingehalten werden muss. Solche Verhaltensweisen beziehen sich häufig auf Themen wie Ordnung, Sauberkeit, Kontrolle oder Reinlichkeit.

Versucht man, die Handlungen zu unterbinden, führt das oft zu innerer Unruhe, Angst oder starker Anspannung; manche Betroffene empfinden zusätzlich Ekel. Die Zwangshandlungen dienen dann kurzfristig dazu, diese unangenehmen Gefühle zu reduzieren und ein Gefühl der Sicherheit wiederherzustellen. Wiederholtes Händewaschen, mehrmaliges Kontrollieren von Türen, ausgeprägte Wasch- und Putzzwänge, Kontroll- und Ordnungszwänge oder zwanghaftes Horten können das Leben massiv beeinträchtigen und zu großem Leidensdruck führen.

Leichte Alltagszwänge sind durchaus verbreitet. Viele Menschen kennen das Bedürfnis, ein Bügeleisen lieber zweimal auszuschalten oder noch einmal zur Haustür zurückzugehen. Solche Verhaltensweisen können meist gesteuert oder neutralisiert werden. Der Übergang von normalen, harmlosen Ritualen zur Zwangsstörung ist jedoch fließend. Wenn die Symptome überhandnehmen, den Alltag beeinträchtigen und der Betroffene darunter leidet, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Zwangserkrankung vor.

 

Typische Merkmale einer Zwangsstörung
  • Zwangsgedanken, -impulse oder -handlungen treten seit mindestens zwei Wochen und an den meisten Tagen auf.

  • Die Zwänge werden als quälend und/oder sinnlos empfunden.

  • Der Alltag wird durch die Zwänge spürbar beeinträchtigt.

  • Zwangsgedanken und -impulse werden der eigenen Person zugeschrieben, also nicht als „fremd” oder von außen beeinflusst erlebt.

  • Beim Unterdrücken der Zwänge kommt es zu innerer Unruhe, Angst oder starker Anspannung.