Sonntag, 23. November 2025

Dickeres Fell, weicher Kern

 Wie ich gelernt habe, mich emotional nicht mehr so leicht verletzen zu lassen 

 

Wie ich gelernt habe, mich emotional nicht mehr so leicht verletzen zu lassen

  
1. Verstehen, was mich eigentlich getroffen hat

Lange Zeit dachte ich, andere Menschen hätten die Kontrolle über meine Gefühle. Wenn jemand etwas gesagt oder getan hat, das mir wehgetan hat, war für mich sofort klar: „Der oder die hat mich verletzt.“
Erst viel später habe ich gemerkt, dass die Reaktionen in mir oft viel älter waren als die Situation selbst.

Manches hat mich nur deshalb so stark berührt, weil es an etwas angeknüpft hat, das ich früher erlebt hatte – an alte Unsicherheiten, ungelöste Themen oder Überzeugungen über mich selbst. Es waren also nicht unbedingt die Menschen, die mich verletzt haben, sondern das, was die Situation in mir ausgelöst hat.

Diese Erkenntnis hat mir zum ersten Mal das Gefühl gegeben, wieder Kontrolle über mein inneres Erleben zu bekommen.

2. Die Verantwortung für meine Gefühle zurückholen

Ich musste lernen, mir ehrlich folgende Fragen zu stellen:

  • Warum macht mich das gerade so wütend oder traurig?

  • Was hat das mit mir zu tun?

  • Welche Erwartungen hatte ich an die andere Person?

Das war anfangs unangenehm, weil es viel einfacher ist, jemand anderem die Schuld zu geben.
Aber genau diese ehrliche Selbstreflexion hat mir geholfen, Situationen nicht mehr so persönlich zu nehmen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht jedes Verhalten anderer kontrollieren kann – aber meine Reaktion darauf schon.

Es ging nicht darum, mir „selbst die Schuld“ zu geben, sondern darum, zu verstehen, wie ich innerlich ticke.
Und das hat mich tatsächlich stärker gemacht.

3. Gefühle zulassen, ohne von ihnen überrollt zu werden

Früher habe ich versucht, unangenehme Gefühle wegzudrücken. Das hat sie aber nicht kleiner gemacht – eher größer.
Heute versuche ich, sie bewusst wahrzunehmen:

  • Was fühle ich gerade wirklich?

  • Weshalb tut das weh?

  • Was brauche ich jetzt?

Ich habe gelernt, Gefühle wie Wut, Unsicherheit oder Traurigkeit zu akzeptieren, ohne mich komplett davon vereinnahmen zu lassen.
Sie dürfen da sein, aber sie bestimmen nicht mehr, wie ich mich selbst sehe oder wie ich handle.

Das bedeutet nicht, dass mich nie wieder etwas trifft.
Aber es trifft mich anders – weniger tief, weniger lange. 

4. Nach meinen eigenen Werten handeln statt mich zu verbiegen

Ein großer Schritt war für mich, aufzuhören, mich ständig an anderen zu orientieren.
Lange habe ich versucht, es allen recht zu machen, aus Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Am Ende war ich dabei, mich selbst zu verlieren.

Erst als ich angefangen habe, klarer zu sagen:

  • Was ich möchte

  • Was ich nicht möchte

  • Was ich akzeptiere und was nicht

…wurde ich innerlich stabiler.
Grenzen zu setzen fühlt sich am Anfang hart an, aber es schützt enorm.
Und je mehr ich bei mir bleibe, desto weniger beeinflusst mich, was andere sagen oder denken.

5. Schritt für Schritt emotional unabhängiger werden

Der Prozess ist nicht perfekt und auch nicht abgeschlossen.
Aber ich habe gelernt:

  • Ich muss nicht alles persönlich nehmen.

  • Ich darf fühlen, ohne mich davon beherrschen zu lassen.

  • Ich habe das Recht, Grenzen zu setzen.

  • Und ich darf meine Reaktionen hinterfragen, ohne mich dafür zu verurteilen.

Dadurch bin ich nicht unberührbar geworden – nur bewusster und stabiler.
Und das reicht oft schon, um Situationen nicht mehr so nah an mich heranzulassen.



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