Wie ich gelernt habe, mich emotional nicht mehr so leicht verletzen zu lassen
Lange Zeit dachte ich, andere Menschen hätten die Kontrolle über
meine Gefühle. Wenn jemand etwas gesagt oder getan hat, das mir
wehgetan hat, war für mich sofort klar: „Der oder die hat mich
verletzt.“
Erst viel später habe ich gemerkt, dass die
Reaktionen in mir oft viel älter waren als die Situation selbst.
Manches hat mich nur deshalb so stark berührt, weil es an etwas angeknüpft hat, das ich früher erlebt hatte – an alte Unsicherheiten, ungelöste Themen oder Überzeugungen über mich selbst. Es waren also nicht unbedingt die Menschen, die mich verletzt haben, sondern das, was die Situation in mir ausgelöst hat.
Diese Erkenntnis hat mir zum ersten Mal das Gefühl gegeben, wieder Kontrolle über mein inneres Erleben zu bekommen.
Ich musste lernen, mir ehrlich folgende Fragen zu stellen:
Warum macht mich das gerade so wütend oder traurig?
Was hat das mit mir zu tun?
Welche Erwartungen hatte ich an die andere Person?
Das war anfangs unangenehm, weil es viel einfacher ist, jemand
anderem die Schuld zu geben.
Aber genau diese ehrliche
Selbstreflexion hat mir geholfen, Situationen nicht mehr so
persönlich zu nehmen. Ich habe gemerkt, dass ich nicht jedes
Verhalten anderer kontrollieren kann – aber meine Reaktion darauf
schon.
Es ging nicht darum, mir „selbst die Schuld“ zu geben, sondern
darum, zu verstehen, wie ich innerlich ticke.
Und das hat mich
tatsächlich stärker gemacht.
Früher habe ich versucht, unangenehme Gefühle wegzudrücken. Das
hat sie aber nicht kleiner gemacht – eher größer.
Heute
versuche ich, sie bewusst wahrzunehmen:
Was fühle ich gerade wirklich?
Weshalb tut das weh?
Was brauche ich jetzt?
Ich habe gelernt, Gefühle wie Wut, Unsicherheit oder Traurigkeit
zu akzeptieren, ohne mich komplett davon vereinnahmen zu lassen.
Sie
dürfen da sein, aber sie bestimmen nicht mehr, wie ich mich selbst
sehe oder wie ich handle.
Das bedeutet nicht, dass mich nie wieder etwas trifft.
Aber es
trifft mich anders – weniger tief, weniger lange.
Ein großer Schritt war für mich, aufzuhören, mich ständig an
anderen zu orientieren.
Lange habe ich versucht, es allen recht zu
machen, aus Angst vor Ablehnung oder Konflikten. Am Ende war ich
dabei, mich selbst zu verlieren.
Erst als ich angefangen habe, klarer zu sagen:
Was ich möchte
Was ich nicht möchte
Was ich akzeptiere und was nicht
…wurde ich innerlich stabiler.
Grenzen zu setzen fühlt sich
am Anfang hart an, aber es schützt enorm.
Und je mehr ich bei mir
bleibe, desto weniger beeinflusst mich, was andere sagen oder denken.
Der Prozess ist nicht perfekt und auch nicht abgeschlossen.
Aber
ich habe gelernt:
Ich muss nicht alles persönlich nehmen.
Ich darf fühlen, ohne mich davon beherrschen zu lassen.
Ich habe das Recht, Grenzen zu setzen.
Und ich darf meine Reaktionen hinterfragen, ohne mich dafür zu verurteilen.
Dadurch bin ich nicht unberührbar geworden – nur bewusster und
stabiler.
Und das reicht oft schon, um Situationen nicht mehr so
nah an mich heranzulassen.

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