Selbstverletzendes Verhalten

In diesem Beitrag geht es um selbstverletzendes und selbstschädigendes Verhalten. Bitte lies nur weiter, wenn du dich stabil genug fühlst. Pass gut auf dich auf. 💛

Selbstverletzendes & selbstschädigendes Verhalten – ein Thema, das viel Mitgefühl braucht

Selbstverletzendes Verhalten (SVV) entsteht selten „einfach so“. Hinter diesem Verhalten stehen meist starke innere Spannungen, überwältigende Gefühle oder ein tiefes Bedürfnis nach Kontrolle und Erleichterung. Für viele Betroffene ist SVV über lange Zeit ein Versuch, emotionales Chaos zu ordnen, wieder etwas zu spüren oder sich in Momenten großer Überforderung zu beruhigen.

Für Außenstehende wirkt dieses Verhalten oft unverständlich oder erschreckend. Doch wer betroffen ist, beschreibt SVV häufig als kurzfristigen Weg, um Angst, Druck, innere Leere oder intensive Emotionen überhaupt ertragen zu können. Viele erleben währenddessen wenig Schmerz – manche sogar Erleichterung oder ein Gefühl von „endlich wieder Boden unter den Füßen“.

Kein eigenes Krankheitsbild – aber häufig Teil eines größeren seelischen Leidens

SVV tritt häufig zusammen mit anderen psychischen Belastungen auf, unter anderem:

  • Depressionen

  • Angst- und Panikstörungen

  • Essstörungen

  • Traumafolgestörungen

  • Borderline-Persönlichkeitsstörung

Dabei ist wichtig:
SVV ist kein eigenständiges Krankheitsbild.
 

Und genauso wichtig:
Borderline bedeutet nicht automatisch Selbstverletzung – und nicht jede Person, die sich verletzt, hat Borderline.

Es gibt Menschen mit Borderline, die nie SVV zeigen, und Menschen ohne Borderline, die dennoch betroffen sind. 

Warum es so schwer ist, ohne Hilfe damit aufzuhören

Selbstverletzung wirkt auf viele Betroffene wie eine kurzfristige Bewältigungsstrategie. Auch wenn sie langfristig schadet, erfüllt sie im Moment eine Funktion – etwa:

  • starke Gefühle regulieren

  • innere Spannung abbauen

  • sich wieder spüren

  • eine Art Kontrolle zurückgewinnen

  • unangenehme Erinnerungen oder Flashbacks beenden

  • sich für etwas „bestrafen“, das Betroffene als persönliches Versagen empfinden

Diese Funktionen machen es schwer, das Verhalten ohne therapeutische Unterstützung zu durchbrechen. Und selbst mit professioneller Begleitung kann es zu Rückfällen kommen – das ist normal, kein Zeichen von Scheitern und kein Grund zur Scham.

Therapie hilft Betroffenen, neue Wege zu finden, ihre Gefühle zu beruhigen, Anspannung abzubauen und Krisen anders zu bewältigen. Das braucht Zeit, Sicherheit, Geduld und oft viel Mitgefühl für sich selbst.

Was sich äußerlich zeigt, ist nur ein kleiner Teil des Ganzen

Viele Betroffene verletzen Stellen des Körpers, die sich leicht verbergen lassen, etwa Arme oder Beine – aber es kann jeden Bereich betreffen. Wichtig ist jedoch nicht der Ort, sondern das emotionale Bedürfnis dahinter.

Menschen, die sich selbst schädigen, wollen meist nicht sterben. Sie wollen überleben. Sie versuchen, mit etwas fertigzuwerden, das für sie kaum auszuhalten ist.

💛 Wenn du selbst betroffen bist – oder jemanden kennst, der es ist:

Du musst damit nicht allein bleiben.
Hilfe zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche – es zeigt Stärke und Mut.

  • Sprich mit einer vertrauten Person.

  • Wende dich an Therapeuten oder Beratungsstellen.

  • In akuten Krisen: Nutze einen Krisendienst, Notruf oder eine psychiatrische Ambulanz.

Du verdienst Unterstützung, Verständnis und sichere Orte.