Donnerstag, 20. November 2025

Borderline - Gefühlsstark durchs Leben

 

Mein Alltag als Borderliner: Ein liebevoll-chaotischer Erfahrungsbericht

Mein Alltag als Borderliner: Ein liebevoll-chaotischer Erfahrungsbericht

Eine satirische Gebrauchsanweisung (für Fortgeschrittene und sonst niemanden)

Es gibt Menschen, die spazieren gemütlich durchs Leben, als hätten sie ein unsichtbares „Ich-bin-im-Gleichgewicht“-Abo abgeschlossen.
Und dann gibt es mich: Borderlinerin, zertifizierte Angstexpertin, Chaosbeauftragte und nebenbei auch noch Besitzerin einer Gefühls-Intensität, die jeder Seifenoper Konkurrenz macht.

Während andere entspannt ihre Schritte setzen, absolviere ich täglich einen emotionalen Parkour, bei dem die Hindernisse unsichtbar sind – dafür aber zuverlässig alle 20 Minuten majestätisch aus dem Nichts auftauchen.
Manchmal stolpere ich, manchmal springe ich drüber, manchmal laufe ich frontal dagegen.

Wenigstens wird’s nie langweilig.

Morgens.

Der Tag beginnt. Erst einmal mit verschwiemelten Augen den Türrahmen tuschiert. Mein Kakao verschüttet sich über die eigene Hose, bevor die Tasse überhaupt den Mund erreicht hat. Warum?
Weil der warme Kakao natürlich schon beleidigt war, dass man zuerst das Handy begrüßt hat. Wenigstens hatte er dadurch Zeit zum abkühlen.
(Kakao nimmt sowas persönlich, das weiß man.)

Planung des Tages:

Man nimmt sich vor: „Heute bleibe ich ganz ruhig, gelassen und zentriert!“
Zehn Minuten später wirft eine freundliche WhatsApp-Nachricht die emotionale Großwetterlage komplett um.
Jetzt ist man entweder euphorisch wie ein Labrador auf Red Bull — oder innerlich in einer existenziellen Krise, weil jemand „ok.“ statt „okkayyy 🥺✨“ geschrieben hat.

Im Supermarkt:

Man möchte eigentlich nur Brot kaufen.
Eine Stunde später steht man an der Kasse mit 13 Dingen, die man nie wollte, und hat das Brot vergessen.
Und irgendwo zwischen Gemüseabteilung und Kühlregal ist man spontan in eine philosophische Selbstanalyse zu den Themen „Was mache ich hier?“ und „Warum hat der Joghurt so viele Sorten?“ abgerutscht.

Zwischen Obstregal und Tiefkühlpizza habe ich bereits:

  • 7× meine Lebensentscheidungen überdacht,

  • 3× meine Identität gewechselt

  • und mindestens 1× überlegt, ob mich die Melone seltsam anguckt.

Zwischenmenschliche Kommunikation:

Das Gehirn so: „Sag’s einfach klar und direkt.“
Der Mund so: „Ich sage jetzt entweder zu viel, zu wenig oder etwas völlig Unklares, das unsere Beziehung für die nächsten sieben Jahre definiert.“
Manchmal geht’s sogar gut.
Manchmal endet es damit, dass man eine Sprachnachricht aufnimmt, anhört, löscht, neu aufnimmt, wieder anhört, dann rot wird und letztendlich gar nichts sendet, weil die Welt dafür einfach noch nicht bereit ist.

Emotionen:

Das Innenleben ähnelt einem Wetterbericht, bei dem alle vier Jahreszeiten pro Stunde stattfinden.
Von „Sonnenschein, ich liebe alle!!!“ über „Warum brennt der Himmel???“ bis „Ich ziehe ins Kloster.“
Und das alles, während man einfach nur Nudeln kochen wollte.

Eine beiläufige Nachricht, ein kleiner Blick, ein Tonfall – und zack!
Mein Innenleben macht einen kompletten Staffelwechsel, während ich noch überlege, ob ich nicht eigentlich vorher noch Frühstücken wollte.
 
Abends: Die chaotische Endrunde – Staffel „Verliebt in Chaos“

Man kuschelt sich ins Bett, die Decke wie ein Schutzschild um die Schultern geschlungen, und denkt:
„Okay, heute war chaotisch… aber irgendwie auch lustig. Vielleicht sogar heroisch.“

Dann trifft einen die Realität wie ein Türrahmen, gegen den man mal wieder rennt. Genau, der Türrahmen, der einen jedes Mal daran erinnert, dass man in einem chaotischen Actionfilm lebt – nur dass niemand Popcorn mitbringt.

Kaum hat man sich davon erholt, blitzt die Erinnerung auf: Der Geschirrspüler!
Nicht eingeräumt. Natürlich nicht.
Man springt auf, stolpert über den Schuh, den man extra mitten in den Raum gestellt hat, und murmelt:
„Warum leben so viele Menschen aufrecht und geordnet?“

Während man den Geschirrspüler zumindest ansatzweise im Auge behält, kommt die traurige Erkenntnis: „Verliebt in Berlin“ läuft nicht mehr.
Die eine Serie, die einem gezeigt hat, dass man trotz Chaos und 
dem Gefühls-Presslufthammer geliebt werden könnte… einfach weg.

 „Okay, Welt, ernsthaft? Ich brauche wenigstens meine Seifenopern-Helden!“

Man lacht. Man flucht. Man stößt sich vielleicht noch einmal am Türrahmen.
Und dann legt man sich wieder hin, deckt sich zu und denkt:
„Morgen fange ich vielleicht ein kleines bisschen organisierter an. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“

Man versucht einzuschlafen – mit dem leisen Wissen, dass man den Tag überlebt hat, dass man ein bisschen gegen Türrahmen gehämmert, ein bisschen Chaos angerichtet, ein bisschen gelacht und ein bisschen geweint hat.
Und irgendwie fühlt sich das nach Superhelden-Level an – nur ohne Kostüm, dafür mit unordentlichem Schuhwerk und Kleidung in Übergröße.

Du denkst das ist nun das Ende? Das hast du doch nicht wirklich erwartet oder?

Gerade, als man denkt: Ah, jetzt! Endlich Schlaf… Frieden… – da meldet sich das Gehirn mit einem Vollalarm. 

„Hey! Erinnerst du dich an diese eine peinliche Sache vor drei Jahren? Als du in deinem eleganten weißen Engelshemd mit dem ganzen Op Tisch einen Rückwärtssalto hingelegt hast? Nein? Soll ich sie dir nochmal im Detail durchkauen?“
 
Man liegt da, Augen geschlossen, versucht sich zu entspannen.
Doch das Gehirn lässt nicht locker: „Und die Mail, die du nie abgeschickt hast? Die ist immer noch da! Und was, wenn der Türrahmen morgen Rache übt?“
 
Man seufzt. Man rollt sich auf die andere Seite.
Dann fällt einem ein, dass man den Schuh vom Geschirrspüler-Stolpern noch nicht zurückgestellt hat.
Und warum hat mir niemand erklärt, dass Sockenpaare grundsätzlich verschwinden, sobald man sie loslässt?
 
Schließlich gibt man auf. Man kuschelt sich tiefer in die Decke, denkt: „Morgen… morgen… vielleicht…....
 
“ nur um wieder aufzustehen, erneut über den Schuh zu stolpern, ihr erinnert euch, und noch etwas am Computer zu arbeiten.

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