Eine satirische Gebrauchsanweisung (für Fortgeschrittene und sonst niemanden)
Es
gibt Menschen, die spazieren gemütlich durchs Leben, als hätten sie ein
unsichtbares „Ich-bin-im-Gleichgewicht“-Abo abgeschlossen.
Und dann gibt es mich:
Borderlinerin, zertifizierte Angstexpertin, Chaosbeauftragte und
nebenbei auch noch Besitzerin einer Gefühls-Intensität, die jeder
Seifenoper Konkurrenz macht.
Während andere entspannt ihre Schritte setzen, absolviere ich täglich einen emotionalen Parkour, bei dem die Hindernisse unsichtbar sind – dafür aber zuverlässig alle 20 Minuten majestätisch aus dem Nichts auftauchen.
Manchmal stolpere ich, manchmal springe ich drüber, manchmal laufe ich frontal dagegen.
Wenigstens wird’s nie langweilig.
Der Tag beginnt. Erst einmal mit verschwiemelten Augen den Türrahmen
tuschiert. Mein Kakao verschüttet sich über die eigene Hose, bevor die Tasse überhaupt den Mund erreicht hat. Warum?
Weil der warme Kakao natürlich schon beleidigt war, dass man zuerst das
Handy begrüßt hat. Wenigstens hatte er dadurch Zeit zum abkühlen.
(Kakao nimmt sowas persönlich, das weiß man.)
Man nimmt sich vor: „Heute bleibe ich ganz ruhig, gelassen und zentriert!“
Zehn Minuten später wirft eine freundliche WhatsApp-Nachricht die emotionale Großwetterlage komplett um.
Jetzt ist man entweder euphorisch wie ein Labrador auf Red Bull — oder
innerlich in einer existenziellen Krise, weil jemand „ok.“ statt
„okkayyy 🥺✨“ geschrieben hat.
Man möchte eigentlich nur Brot kaufen.
Eine Stunde später steht man an der Kasse mit 13 Dingen, die man nie wollte, und hat das Brot vergessen.
Und irgendwo zwischen Gemüseabteilung und Kühlregal ist man spontan in
eine philosophische Selbstanalyse zu den Themen „Was mache ich hier?“
und „Warum hat der Joghurt so viele Sorten?“ abgerutscht.
Zwischen Obstregal und Tiefkühlpizza habe ich bereits:
-
7× meine Lebensentscheidungen überdacht,
-
3× meine Identität gewechselt
-
und mindestens 1× überlegt, ob mich die Melone seltsam anguckt.
Das Gehirn so: „Sag’s einfach klar und direkt.“
Der Mund so: „Ich sage jetzt entweder zu viel, zu wenig oder etwas
völlig Unklares, das unsere Beziehung für die nächsten sieben Jahre
definiert.“
Manchmal geht’s sogar gut.
Manchmal endet es damit, dass man eine Sprachnachricht aufnimmt, anhört,
löscht, neu aufnimmt, wieder anhört, dann rot wird und letztendlich gar
nichts sendet, weil die Welt dafür einfach noch nicht bereit ist.
Das Innenleben ähnelt einem Wetterbericht, bei dem alle vier Jahreszeiten pro Stunde stattfinden.
Von „Sonnenschein, ich liebe alle!!!“ über „Warum brennt der Himmel???“ bis „Ich ziehe ins Kloster.“
Und das alles, während man einfach nur Nudeln kochen wollte.
Mein Innenleben macht einen kompletten Staffelwechsel, während ich noch überlege, ob ich nicht eigentlich vorher noch Frühstücken wollte.
Man kuschelt sich ins Bett, die Decke wie ein Schutzschild um die Schultern geschlungen, und denkt:
„Okay, heute war chaotisch… aber irgendwie auch lustig. Vielleicht sogar heroisch.“
Dann trifft einen die Realität wie ein Türrahmen, gegen den man mal wieder rennt. Genau, der Türrahmen, der einen jedes Mal daran erinnert, dass man in einem chaotischen Actionfilm lebt – nur dass niemand Popcorn mitbringt.
Kaum hat man sich davon erholt, blitzt die Erinnerung auf: Der Geschirrspüler!
Nicht eingeräumt. Natürlich nicht.
Man springt auf, stolpert über den Schuh, den man extra mitten in den Raum gestellt hat, und murmelt:
„Warum leben so viele Menschen aufrecht und geordnet?“
Während man den Geschirrspüler zumindest ansatzweise im Auge behält, kommt die traurige Erkenntnis: „Verliebt in Berlin“ läuft nicht mehr.
Die eine Serie, die einem gezeigt hat, dass man trotz Chaos und dem Gefühls-Presslufthammer geliebt werden könnte… einfach weg.
„Okay, Welt, ernsthaft? Ich brauche wenigstens meine Seifenopern-Helden!“
Man lacht. Man flucht. Man stößt sich vielleicht noch einmal am Türrahmen.
Und dann legt man sich wieder hin, deckt sich zu und denkt:
„Morgen fange ich vielleicht ein kleines bisschen organisierter an. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“
Man
versucht einzuschlafen – mit dem leisen Wissen, dass man den Tag
überlebt hat, dass man ein bisschen gegen Türrahmen gehämmert, ein
bisschen Chaos angerichtet, ein bisschen gelacht und ein bisschen
geweint hat.
Und irgendwie fühlt sich das nach Superhelden-Level an – nur ohne
Kostüm, dafür mit unordentlichem Schuhwerk und Kleidung in Übergröße.
Du denkst das ist nun das Ende? Das hast du doch nicht wirklich erwartet oder?
Gerade, als man denkt: Ah, jetzt! Endlich Schlaf… Frieden… – da meldet sich das Gehirn mit einem Vollalarm.

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