Samstag, 22. November 2025

Was du aushältst, bleibt

 

Schweigen

Schweigen!

Du lässt vieles über dich ergehen – doch deine Psyche merkt sich jedes Detail.

Auch das, worüber du schweigst.
Wir reden uns oft ein, dass es „nicht so schlimm“ sei.
Dass wir stark genug sind, um es auszuhalten.
Dass Schweigen Frieden bedeutet.
Doch dein Körper glaubt dir nicht. Er kennt die Wahrheit lange bevor du sie aussprichst.

Während du versuchst, ruhig zu bleiben, spürt dein Nervensystem jede ungerechte Bemerkung, jede Grenze, die überschritten wird, jedes Gefühl, das du wegdrückst.

Die Wut beginnt leise. Ein Unbehagen in der Brust.
Dann wird sie stärker: Dein Nacken zieht sich zusammen. Dein Herz rast. Deine Hände zittern vielleicht nur ein bisschen – aber sie zittern.

Du spürst die Hitze im Gesicht, die Spannung im Kiefer.
Es brodelt in dir, während du nach außen so tust, als wäre alles in Ordnung.

Doch innerlich schreit etwas.
Ein Teil von dir, der gehört werden will.
Die Worte, die du nicht aussprichst, verschwinden nicht.
Sie setzen sich ab, zuerst in deinem Bauch, dann in deinen Gedanken, später vielleicht in deiner Gesundheit.

Jedes verschluckte Gefühl wird ein Stein, der schwerer wird, je länger du ihn trägst.
Du ballst die Fäuste unter dem Tisch, du kaust auf den Lippen, du schluckst die Wahrheit runter – und damit auch ein Stück von dir selbst.

Dein Körper wird zum Archiv für alles, was du nie gesagt hast.
Und nachts, wenn niemand zuhört und kein Lächeln Fassade sein muss, kommen die Sätze zurück.
Härter. Präziser. Schmerzlicher.

Dann wälzt du dich von Seite zu Seite, führst Gespräche im Kopf, die du nie geführt hast.
Und dein Herz pocht, obwohl längst Ruhe sein sollte.
Es sind nicht die anderen, die dich damit zerstören.
Es ist das Schweigen.
Die permanente Selbstverleugnung.

Das Gefühl, keinen Raum einnehmen zu dürfen.
Denn dein Körper reagiert auf emotionale Belastungen wie auf echten Schmerz.
Er schützt dich, warnt dich, zeigt dir Grenzen – selbst wenn du sie nicht aussprichst.
Er speichert alles, bis du bereit bist, es endlich zu fühlen, zu verstehen, auszusprechen.

Am Ende ist das Schweigen keine Stärke.
Es ist ein langsames Sich-selbst-Verlieren.


  • Du darfst reden.
  • Du darfst wütend sein.
  • Du darfst Grenzen setzen, auch wenn es unbequem ist.

Nicht, um laut oder unangenehm zu sein –
sondern um dich selbst zu schützen.
Um wieder atmen zu können.
Um nachts endlich friedlich zu schlafen.
Sprich aus, was in dir brennt, bevor es dich Stück für Stück auffrisst.
 
 
 

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