Mittwoch, 3. Dezember 2025

Zwischen Wolken und Stürmen

 

Man sagt, Traurigkeit sei still, leise, grau und schwer. Meine Traurigkeit hat darauf aber höflich verzichtet. Sie hat sich gedacht: „Pff, heulen kann jeder – ich gehe jetzt in die Wut Abteilung.“

Gefühlschaos mit Bordkarte – Willkommen in meinem Innenleben
 
Man sagt, Traurigkeit sei still, leise, grau und schwer.
Meine Traurigkeit hat darauf aber höflich verzichtet. Sie hat sich gedacht: „Pff, heulen kann jeder – ich gehe jetzt in die Wut Abteilung.“
 
Und zack – schon steht sie da, in High Heels, mit Sonnenbrille und dramatischem Abgang, und kündigt an:
„Hallo, ich bin jetzt Wut. Gewöhn dich dran.“
Andere fühlen Traurigkeit in sanften Wellen – ich bekomme direkt eine komplette Netflix-Staffel voller Emotionen. Ohne Werbung, aber mit sehr viel innerem Gebrüll.
 
Der stumme Schrei – mein persönlicher Endgegner
 
Ich würde manchmal gerne einfach losschreien. So richtig klassisch.
Wie in Filmen. Mit Wind in den Haaren, leichtem Regen, dramatischer Kamerafahrt.
Doch stattdessen sitze ich da und denke:
„Okay… auf drei… jetzt… SCHREI…“
 
Und mein Hals so:
„Nee. Heute nicht. Komm morgen wieder.“
Meine Schreie sind introvertiert. Die brauchen erst Vertrauen, einen sicheren Raum und eine Tierdokumentation zur Beruhigung. Also bleiben sie einfach drin – und ich gucke dafür umso aggressiver ins Leere.
 
Schlucken bis zur emotionalen Überlaufstufe
 
Ich schlucke und schlucke und schlucke.
Meine Gefühle haben wahrscheinlich schon mehrere Mietverträge in mir abgeschlossen. Da ist eine richtige WG entstanden:
 
Wut liegt auf dem Sofa,
Traurigkeit weint im Bad,
Überforderung sitzt in der Küche und fragt:
„Hat jemand meine Hoffnung gesehen?“
 
Und ich? Ich lächle nach außen wie jemand, der sein Leben sortiert in Ordnern abgeheftet hat, während sich innen ein Orkan in Zeitlupe abspielt – mit dramatischer Musik, überraschenden Wendungen und unangekündigten Rückblenden in die peinlichsten Momente meiner Kindheit.
 
Wenn man Gefühle stapeln könnte wie Tupperdosen, wäre ich der unaufgeräumteste Küchenschrank der Nation. Schlucken bis zur emotionalen Überlaufstufe.
 
Der große Ausbruch – ab hier übernimmt die Naturgewalt
 
Und dann kommt er.
Nicht langsam.
Nicht angekündigt.
Nicht mit einem höflichen „Entschuldigung, ich glaub da kommt gerade etwas hoch.“
Nein.
 
Meine Wut kommt wie ein Hurrikan auf Koffein und Drama. Eine Mischung aus Vulkan + Tornado + beleidigte Diva. Dinge, die ich seit 2009 unterdrückt habe, beschließen plötzlich ALLE am selben Tag zu sprechen. Ohne Termin. Ohne Rücksicht. Ohne Filter.
 
Und während ich mich selbst frage:
„Wer bist du und was hast du mit mir gemacht?!“
räumt meine Wut innerlich einfach alles um, wie bei einer sehr aggressiven Renovierung.
 
Die Schuldgefühle danach – mein inneres Aufräumkommando
 
Nachdem der Sturm vorbei ist, sitze ich da…
zwischen den Trümmern meiner eigenen Worte und denke:
„Ja gut. Das war jetzt… vielleicht leicht übertrieben.“
 
Dann kommt die Reue reingeschlendert, mit einer Tasse Tee und einem viel zu ruhigen Tonfall:
„Wollen wir noch kurz alles überdenken, was du jemals gesagt hast? Auch das von 2016? Nur zur Sicherheit?“
 
Und ich nicke. Natürlich. Wie eine Person, die aus ihren Fehlern gelernt hat (Spoiler: habe ich nicht, aber ich probiere es mit Ausdauer).
 
Freundschaften: Post-Orkan-Ausgabe
 
Manche Freundschaften überlebten meinen inneren Wirbelsturm leider nicht. Da kann ich noch so höflich fegen, entschuldigen und aufräumen – die andere Person ist schon weg. Ich stehe da, Besen in der Hand, und denke: „Okay… leerer Stuhl, leere Chats, leerer Magen – aber wenigstens noch Humor übrig.“
 
Fazit: Ich bin kein Problem – ich bin ein Ereignis
 
Ich bin nicht nur ein Mensch mit Stimmungsschwankungen.
Ich bin ein Naturphänomen mit Beinen.
Ein emotionaler Freizeitpark ohne Sicherheitsanweisung.
Eine Mischung aus Chaos, Sensibilität, Übertreibung, un- und freiwilligem Humor.
 
Trotz allem – oder vielleicht gerade deswegen – bin ich echt. Tief. Intensiv. Mit allem, was dazugehört. Und ja, manchmal ein bisschen zu viel…
…aber „zu viel“ ist immer noch besser als „gar nichts“. Besser ein Feuerwerk im Wohnzimmer, als ein leiser Fernseher, der nur flimmert.
 
Gleichwohl, manchmal oder sogar oft wünschte ich, ich wäre "normal".
Weil niemand gerne so viel in sich trägt, so viel fühlt, so heftig explodiert.
 
Aber das bin ich nun mal – intensiv, unberechenbar, mit einem inneren Borderline Monster, das wie ein aufgeregter Drache durch meine Gefühle stapft.
 
Es bändigt sich nur selten, brüllt lieber Wut in den Raum, als Traurigkeit zuzulassen – und hinterlässt dabei Chaos, Feuer, Asche und manchmal auch Staunen.
 

 

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