Die Räume der Angst
Sie schleicht nicht, sie stürzt nicht –
sie gleitet wie Schatten zwischen Wänden,
ein frostiger Hauch auf der Haut,
ein Druck auf die Rippen,
als würden unsichtbare Hände die Brust zusammendrücken.
Der Flur dehnt sich, zieht sich,
jeder Schritt hallt zurück,
nicht nur als Schall –
sondern als Trommelfeuer in deinen Knochen.
Im Wohnzimmer sitzt sie auf der Couch,
unsichtbar, doch schwer wie Blei.
Die Lungen brennen, jeder Atemzug ist ein Kampf,
die Herzschläge pochen wie hämmernde Trommeln.
Die Zeit tropft langsam, dickflüssig,
Sekunde um Sekunde klebt an der Haut,
der Schwindel steigt,
und plötzlich ist da die Ahnung:
dieser Moment könnte der letzte sein.
Die Küche riecht nach Wasser und Angst.
Jeder Tropfen des Hahns ein Dolch in der Brust.
Die Hände zittern, greifen ins Leere,
die Luft bleibt in der Kehle stecken,
ein brennender Kloß, ein Flüstern:
„Wenn du nicht atmest, bist du fort.
Wenn du gehst, bist du weg.“
Das Herz rast, die Muskeln spannen sich wie Seile,
und du fühlst die rohe Präsenz der Todesangst,
so nah, dass sie dein Blut in Flammen setzt.
Im Schlafzimmer liegt sie schwer auf der Brust,
die Decke wiegt Tonnen, die Kissen pressen die Luft aus der Lunge.
Der Körper zittert, jede Faser angespannt,
der Schweiß läuft kalt, die Kehle schnürt sich zu.
Die Gedanken kreisen, beißen sich in den Brustkorb:
„Vielleicht ist jetzt der Moment. Vielleicht endet alles hier.“
Die Angst, unbarmherzig und roh,
schnitzt ihre Präsenz in jede Zelle.
Im Bad zeigt der Spiegel dein eigenes Gesicht,
bleich, aufgerissen, weit geöffnete Augen,
die dich anschauen und warnen.
Du willst atmen, schreien, weglaufen –
doch der Körper gehorcht nicht.
Die Angst dirigiert Herzschlag und Muskeln,
nimmt Besitz von Atem und Gedanken,
macht jeden Raum zu einem Käfig,
jede Sekunde zu einem Kampf.
Und manchmal, nur ein Hauch, ein Lichtstrahl,
bricht durch die Vorhänge, fließt über die Haut.
Ein Atemzug gelingt, das Zittern lässt nach,
und du merkst: du bist noch hier.
Noch nicht gegangen, noch nicht verloren.
Doch sie schläft nie.
Sie lauert in jedem Schatten,
liegt in jeder Ecke,
wartet in jedem Herzschlag,
um zurückzukehren wie ein Nebel,
der jede Brust, jeden Atemzug, jeden Raum frisst.

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