Samstag, 10. Januar 2026

 

Borderline gleich Narzissmus – ein bisschen Klartext aus meinem Leben

Borderline gleich Narzissmus –
ein bisschen Klartext aus meinem Leben
 
Ich erinnere mich noch gut an das erste Mal, dass jemand zu mir sagte: "Ah, du bist doch Borderlinerin – also eigentlich ein bisschen Narzisstin, oder?"
 
Ich hätte fast gelacht… fast. 
Weil nein. Ganz klar: Borderline ist nicht Narzissmus.
 
Und trotzdem höre ich es immer wieder. Warum? Weil Menschen oft nur mein Verhalten sehen, die heftigen Emotionen, die Nähe-Distanz-Dramen, manchmal impulsive Reaktionen, und sofort eine Schublade aufmachen: „toxisch“.
 
Sie sehen nicht, was innen passiert: die ständige Angst, verlassen zu werden, die Selbstzweifel, die Gedankenspiralen, das Gefühl, dass alles wackelt und jederzeit zusammenbrechen könnte.
 
Ein typischer Moment aus meinem Leben:
 
Ich schreibe meinem besten Freund eine Nachricht: „Ich vermisse dich, und ich habe Angst, dass du mich ignorierst…“
Er antwortet ein bisschen spät, und sofort fährt mein Herz Achterbahn. „Er mag mich nicht mehr! Ich bin schon wieder zu viel! Warum kann ich nicht normal sein?“
Von außen mag das übertrieben wirken. Aber innen ist es pure Angst und Verletzlichkeit, kein Machtspiel.
 
Im Vergleich: Narzissmus
 
Ein Narzisst könnte in derselben Situation eher denken: „Warum hast du mir nicht sofort gesagt, dass du mich brauchst? Ich muss bewundert werden, sonst fühle ich mich schlecht.“
 
Hier geht es um die eigene Fassade, nicht um Angst vor Verlust. Die Energie geht nach außen, nicht so wie bei Borderline Betroffenen, die ständig zwischen innerem Chaos und Gefühlen hin- und herschwanken.
 
Alltagssituationen, die oft falsch verstanden werden:
 
  • Ich sage: „Ich brauche dich gerade“, und wirke dramatisch.
  • Ich reagiere impulsiv auf einen Streit, weil alte Ängste hochkommen. 
  • Ich ziehe mich zurück, aus Überforderung, und werde dann als „kalt“ oder „manipulativ“ bezeichnet.
Alles typisch Borderline. Nicht toxisch. Nicht narzisstisch. Nur menschlich, extrem intensiv.
 
Trotz aller Missverständnisse sind Borderliner im Gegensatz zu Narzissten, oft unglaublich empathisch.
 
Wir fühlen nicht nur unsere eigenen Emotionen extrem stark, sondern spüren auch die Stimmungen und Schmerzen anderer Menschen sehr intensiv. Oft nehmen wir die Gefühle unserer Freunde oder Partner quasi wie unsere eigenen wahr, manchmal zu sehr, sodass wir uns selbst dabei verlieren.
 
Das bedeutet: Wir wollen verstehen, helfen und verbinden, nicht kontrollieren oder manipulieren. Unsere Intensität wird leider oft falsch gedeutet, aber Empathie ist ein Kernstück unseres Wesens, selbst wenn die Außenwelt sie nicht immer sieht oder wir sie zeigen können.
 
Ja, es kann Überschneidungen geben, manchmal kann Verhalten oder Auftreten ähnlich aussehen. Aber das Innenleben ist völlig anders. Zwei Diagnosen, zwei Welten, zwei Arten von Schmerz.
 
Manchmal treten Borderline und narzisstische Züge zusammen auf, aber Borderline ist nicht automatisch Narzissmus, und Narzissmus bedeutet nicht automatisch Borderline.
 
Wie ich damit umgehe, wenn wieder jemand alles in einen Topf wirft
 
Jedes Mal denke ich: „Nein, nein und nochmal nein.“
 
  •  Humor:
Ich lache innerlich (manchmal laut):
"Borderline = Narzissmus. Dann wäre ich gleichzeitig extrem selbst hassend, verletzlich und unfassbar selbstverliebt – Chaos-Level 1000 garantiert."
  •  Kurz erklären, wenn ich Lust habe:
"Das sind zwei verschiedene Diagnosen. Ich lebe intensiv, aber das heißt nicht, dass ich mich über andere stelle."
Manchmal reicht ein Satz, und der Rest bleibt ungesagt.
 
  • Grenzen setzen:
Nicht jeder braucht eine Erklärung. Mein innerer Frieden ist wichtiger als die Meinung anderer. Punkt.
 
Im Alltag heißt das:
 
Manchmal werden meine Gefühle übersehen oder falsch gedeutet.
Ich denke dann: „Warum versteht niemand, dass ich einfach nur Angst habe? Dass es nicht um Kontrolle oder Drama geht, sondern um Verletzlichkeit?“
 
Dann atme ich tief durch, lache über mich selbst, wenn es geht, und erinnere mich: Mein Schmerz ist echt, meine Angst legitim, und ich darf sie fühlen.
 
Borderline ist kein Narzissmus, sondern eine Welt voller Intensität, Emotionen und Verletzlichkeit.
 
Wenn wir lernen, genauer hinzusehen und wirklich zuzuhören, verschwinden die Schubladen. Dann erkennen wir, dass hinter scheinbarem Chaos oft ein herzlicher, empfindsamer Mensch steckt, der Liebe, Sicherheit und Verständnis sucht.
 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen