Samstag, 20. Dezember 2025

Vorsicht Weltuntergang

 

Überlebenshandbuch für ein überdramatisches Borderline Gehirn - Wenn jede Kleinigkeit wie ein Weltuntergang wirkt

Überlebenshandbuch für ein überdramatisches Borderline Gehirn - Wenn jede Kleinigkeit wie ein Weltuntergang wirkt 
 
🪜Treppensturz-Drama
Ein kleiner Stolperer auf der Treppe = „Rippen gebrochen, Krankenhaus, letzte Stunde!“
Realität: Ich stehe noch. Balance = gerettet.
 
📺Verschwundene Fernbedienung
„Katastrophe! Keine Kontrolle über Netflix, Chaos total!“
Realität: Sofakissen haben sie gefressen.
 
📱Handy nicht auffindbar
„Alarm! Weltuntergang! Alle Benachrichtigungen verpasst!“
Realität: Es liegt auf dem Tisch. Panik adé.
 
🌐WLAN-Ausfall
„Zivilisation kollabiert! Niemand kann mich erreichen!“
Realität: Sekunden später wieder online. Krise gemeistert.
 
🧑‍🤝‍🧑Partner*in spricht kryptisch
„Kommunikationskollaps! Beziehung in akuter Gefahr!“
Realität: Es ging nur um Salz. Panik unberechtigt.
 
🛒Einkaufsliste verloren
„Hungersnot! Lebensmittel-Katastrophe!“
Realität: Chips retten die Situation. Überleben gesichert.
👻Unerwartetes Geräusch im Haus
„Einbrecher! Zombies! Panikmodus aktiv!“
Realität: Es war nur die Partner*in, die Socken sucht.
 
🛁Etwas fällt im Bad
„Blutbad! Krankenhausalarm!“
Realität: Haarbürste unversehrt. Frieden wiederhergestellt.
 
🍞🔥Brot brennt im Toaster
„Feuer! Kücheninferno! Weltuntergang!“
Realität: Fenster auf, halb verkohlter Toast – Überleben!
 
⏰Wecker klingelt nicht
„Spät aufstehen! Chaos! Apokalypse!“
Realität: Noch Zeit genug. Panik optional.
 
💡Lichtschalter hakt kurz
„Stromausfall! Dunkelheit! Totale Panik!“
Realität: Ein sanftes Wackeln, alles wieder hell.
 
🧊Kühlschrank brummt anders
„Kälteapokalypse! Lebensmittel verderben!“
Realität: Nur ein kleiner Motorstolperer, Milch noch gut.
 
🔋Handy-Akku bei 5 %
„Ende der Kommunikation! Weltuntergang imminent!“
Realität: Ladegerät griffbereit. Alles safe.
 
🗝️Schlüssel unauffindbar
„Gefangen! Hausflucht unmöglich!“
Realität: Lag in der Jackentasche. Drama vorbei.
 
🧹Staub auf dem Boden
„Apokalypse der Sauberkeit! Mikroben übernehmen die Welt!“
Realität: Kurzes Saugen, Frieden wiederhergestellt.
 
☔Regenschirm nicht parat
„Sturm! Flut! Modisches Drama!“
Realität: Nasse Haare, kein Problem. Partner*in lacht.
 
⏲️Küchentimer klingelt zu spät 
„Katastrophe! Kuchen wird verbrannt!“
Realität: Nur leicht gebräunt, immer noch lecker.
 
📬Postfach voller Werbung
„Briefkasten-Chaos! Überwachung des Imperiums!“
Realität: Einfach löschen, Überleben gesichert.
 
💇‍♀️Spiegelbild zeigt schlechte Frisur
„Gesichtsapokalypse! Niemand wird mich erkennen!“
Realität: Nur drei widerspenstige Haare, kleine Stil-Katastrophe.
 
👜Handtasche voller unnötiger Dinge
„Tragödie! Alles verloren, Chaos in der Tasche!“
Realität: Schlüssel, Portemonnaie, Handy da – keine echte Katastrophe.
 
🛍️Partner*in verschwindet kurz beim Einkaufen
„Verschollen! Familientragödie!“
Realität: Nur im Gang nebenan. Panik übertrieben.
 
🍽️Ein unbekannter Ton aus der Küche
„Feueralarm! Explosion! Sirenen überall!“
Realität: Partner*in hat nur die Spülmaschine gestartet.
 
💥Ein plötzlicher Knall aus dem Wohnzimmer
„Explosion! Panik! Haus wird zerstört!“
Realität: Das Buch ist aus dem Regal gefallen.
 
🖥️Ein Summen oder Piepen aus dem Gerät
„Systemabsturz! Computerapokalypse!“
Realität: Der Drucker meldet nur Papiermangel.
 
📦Ein Rascheln hinter der Tür
„Monster! Einbrecher! Zombieangriff!“
Realität: Nur ein Paket, das der Postbote abgestellt hat.
 
🪜Klopfen aus dem Dachboden
„Geister! Dämonen! Panik!“
Realität: Äste schlagen gegen das Dach.
 
🍲Summen aus der Mikrowelle
„Atomkatastrophe! Explosion!“
Realität: Essen wird einfach erwärmt.
 
🧱Knackendes Geräusch aus der Wand
„Einsturz! Haus in Gefahr!“
Realität: Heizungsrohr arbeitet.
 
🚨Piepen aus dem Rauchmelder
„Feuer! Explosion! Panikmodus!“
Realität: Batterie schwach, kein Feuer.
 
🎬 Epilog: Überleben in der Alltags-Apokalypse 🎬
Herzlichen Glückwunsch! 🎉 Du hast es geschafft, die ultimative Sammlung von dramatischen Alltags-Situationen zu überleben – von Stolperern über verschollene Fernbedienungen bis hin zu brennenden Toasts, panischen Handy-Alarmen und geheimnisvollen Geräuschen im Haus. Dein Herzschlag ist noch vorhanden, deine Balance intakt – und der Kaffee (oder Chips) sind unversehrt.

Bevor du dieses Meisterwerk zur Seite legst, eine kurze, sehr ernste Entschuldigung:
Ja, ich habe genderneutral geschrieben.

Ja, das war manchmal etwas sperrig.
Aber seien wir ehrlich: Wenn wir schon beim Überleben von Alltags-Apokalypse-Szenarien sind, konnte ich einfach nicht riskieren, dass sich jemand ausgeschlossen fühlt. Egal, ob Partner*in, Mitbewohner*in, Haustier-ähnliches Wesen oder imaginäre Freunde – die Panik ist für alle gleich! 🌍

Also, schnapp dir deinen halb verkohlten Toast, lehne dich zurück und erinnere dich:
Jede noch so kleine Alltagskatastrophe ist überlebbar – und meistens völlig harmlos. Dein Gehirn mag Alarm schlagen, aber am Ende hast du noch immer den Toast in der Hand.



Mittwoch, 17. Dezember 2025

Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch

 

Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch

Angst im Alltag – Teil 2: Mein Nervensystem auf Weltreise (Tour de Panik)
 
Im Auto – die mobile Katastrophe- hatten wir ja schon mal (leider)
Wir fahren also in den Urlaub.
Wie jedes Jahr. Ein- bis zweimal.
510 Kilometer. Inklusive Fähre über die Elbe.
Eigentlich Routine. Eigentlich.
 
Kaum ist der Motor an, meldet sich mein Gehirn mit der wichtigsten aller Fragen:
„Wo ist das nächste WC?“
Ich war vor fünf Minuten noch zu Hause.
Ich war zehnmal auf der Toilette.
Ich habe vorsorglich nichts getrunken. Gar nichts.
Wüstentauglich.
 
Und trotzdem: Mein Körper tut jetzt so, als hätte ich seit 1997 keinen Zugang mehr zu sanitären Anlagen gehabt.
Wir sind exakt 800 Meter gefahren.
Ich plane innerlich bereits, wie man notfalls am Seitenstreifen würdevoll verschwindet.
 
Urlaub beginnt eben im Kopf. Leider in meinem.
 
Autobahnauffahrt – Highspeed-Horror für Anfänger
 
Selber fahren? Schon lange nicht mehr.
Ne ne. Ohne mich.
Ich bin mittlerweile lieber Beifahrer.
Der, der panisch wird und dabei sehr hilfreich ruft:
„PASS AUF!“
„DER KOMMT SCHNELL!“
„WAS MACHST DU DA?!“
„FAHR NICHT ZU DICHT AUF, BREMSEN, BREMSEN, BREMSEN.
 
Autobahnauffahrt. Mein persönlicher Escape Room.
Blinker an. Gas.
LKW von links. LKW von rechts.
Mein Herz rast, mein Hirn ruft:
„Das war’s. Hier endet alles. Sag dem Fahrer, er soll ohne mich weiterfahren.“
Wir fahren auf die Autobahn.
Ich lebe noch.
Ich atme.
Puh, geschafft.
 
Zeit zu entspannen? Nein. Jetzt geht es erst richtig los.
 
Nanu… warum stirbt mein Bein gerade?
 
Plötzlich wird mein Bein taub. Eiskalt. Schmerzt.
Diagnose in meinem Kopf nach 0,3 Sekunden: Lebensgefährliche Thrombose. Mindestens. Vielleicht sogar sofortiger Tod.
Ich sehe mich innerlich schon in einer ZDF-Doku:
„37 Grad – meine persönliche Geschichte.“
 
Eine Drei-Sekunden-Momentaufnahme.
Ich sage mit brüchiger Stimme:
„Ich wollte doch nur in den Urlaub fahren.“
 
Dann die Erkenntnis: Ach nein. Nur das Gebläse. Eiskalte Luft direkt aufs Knie.
Mein Knie: Drama. Mein Gehirn: Oscar-reif.
 
Angekommen am Meer – der Leuchtturm
 
Stufe für Stufe Richtung Nervenzusammenbruch.
 
„Ach komm“, sagen sie.
„Der Ausblick ist toll.“
 
Steile Treppen hoch. Noch mehr Treppen. Eng. Stein. Kein Geländer, dem ich emotional vertrauen könnte.
Oben angekommen: Aussichtsplattform. Wind. Weite. Watt. Himmel. Kein Fluchtweg.
Mein Gehirn meldet:
„Was, wenn du einfach… runterkippst?“
Ich lächle gequält und klammere mich an meinen Partner wie ein Koala an seinen Lieblingsbaum.
 
Und denke: „Warum sind Menschen freiwillig höher als zwei Meter über dem Boden?“
Der Ausblick? Wunderschön. Wenn man ihn sehen könnte, ohne innerlich einen Notfallplan für Hubschrauberrettung zu entwickeln.
Die Erkenntnis, dass wir ja auch wieder die ganzen Treppen runter müssen, ist auch eher suboptimal und wenig hilfreich.
 
OP und die Narkose des Grauens
 
Eine Operation steht an.
Wach sein wäre ungünstig – da sind wir uns einig.
Also: Narkose.
 
Der Anästhesist lächelt. Zu freundlich. Viel zu freundlich.
„Wir nehmen Lachgas.“
Fehler. Großer Fehler.
 
Das Erwachen – oder: LSD-Trip für Kassenpatienten.
Ich wache auf. Oder eher: Ich kehre aus einer anderen Dimension zurück.
Ich sehe einen Atompilz. In unfassbar intensiven Farben. Pink. Grün. Blau. Picasso hätte geweint.
 
Im Türrahmen des Krankenhauses findet offenbar ein Massenmord statt. Oder eine sehr kreative Theaterprobe. Ich bin mir nicht sicher.
Ich denke: „Aha. So fühlt sich Wahnsinn an.“
 
Kein LSD-Trip könnte bunter, absurder und beängstigender sein. Mein Gehirn hat einfach beschlossen, Kunst zu machen. Leider Horror.
 
Im Kino – freiwilliger Horrortrip
 
Ein guter Film hat mich reingelockt.
Wie eine Motte ins Licht. Oder wie jemand mit Höhenangst auf einen Leuchtturm.
Ich sitze da. Dunkel. Viele Menschen. Keine schnelle Flucht.
Und dann der Gedanke:
„Wie peinlich wäre es eigentlich, ausgerechnet während eines Horrorfilms den Löffel abzugeben?“
 
Die Leute würden denken: „Krass, der Film war echt heftig.“
Nein. Der Film war okay. Mein Nervensystem hat nur komplett überreagiert.
Horrorfilm – die beste Wahl für jemanden mit Panik.
 
Eine pädagogisch wertvolle Erfahrung für meine Angst.
 
Der Supermarkt – ohne geht ja nicht. Hungertod ist auch keine Lösung
 
Schon am Eingang: Zu viele Menschen. Zu wenig Platz.
Einkaufswagen, die völlig überraschend stehen bleiben – als hätten sie gerade eine existenzielle Krise.
Jemand rückt mir zu nah auf.
Jemand rammt mir seinen Wagen in die Hacken.
Ein anderer bleibt mitten im Gang stehen und überlegt ausführlich, welches Mehl sein Lebenswerk vollendet.
 
Ich stehe dahinter. Gefangen. Mit Nudeln.
Mein Körper: Alarmstufe Rot. Herzrasen. Atemnot.
Eine explosive Mischung aus Fluchtreflex und innerer Aggression.
Mein Kopf sagt: „Wir müssen hier raus. Sofort.“
 
Der Wutkobold meldet sich auch. Er ist klein, sehr emotional und hält sich grundsätzlich für handlungsfähiger als ich.
Er kommentiert ungefiltert, hat keinerlei Interesse an Deeskalation und schlägt gedanklich sehr drastische, gesellschaftlich leider nicht akzeptierte Lösungen vor.
 
Ich atme tief durch. Ich bleibe. Ich kaufe ein. Regal für Regal. Jeder Griff ein Akt der Tapferkeit.
Und dann… die Kasse.
 
Supermarkt-Kasse – der Klassiker mit Nervenkitzel
 
Ich stelle mich an. Vor mir: drei Personen.
Mein innerer Kommentar: „Okay. Das schaffst du.“
Die erste Person vor mir zählt ihre Münzen – einzeln. Parallel sucht sie noch die Payback-App.
 
Mein innerer Kommentar: „Perfekt. Alles läuft nach Plan… nicht.“
Plötzlich springt die Kassiererin auf wie ein wildes Kastenteufelchen und rennt davon, weil an einem Produkt der Preis fehlt.
Mein innerer Kommentar: „Natürlich. Warum nicht?“
 
Mir wird warm. Mein Herz klopft. Kurz überlege ich, die Einkäufe einfach stehenzulassen und ein neues Leben zu beginnen. 
Vielleicht in einem Land, wo Regeln existieren und Münzen automatisch sortiert werden. Oder in einem Land mit Teleportation direkt nach Hause. Wäre auch nett.
 
Aber nein. Ich bleibe. Wie ein Held. Mit Käse. Und Brot.
 
Fahrstuhl – der gläserne Albtraum
 
Einsteigen geht noch. Türen zu.
Mein Gehirn meldet sofort: „Was, wenn er jetzt stecken bleibt?“
Ich rechne durch, wie lange ich ohne Sauerstoff überlebe. Es sind erstaunlich wenige Sekunden.
 
Die Aufzugmusik beginnt. Entspannende Harfe?
Mein innerer Kommentar: „Perfekt. Genau der richtige Soundtrack für das Ende.“
Jemand drückt den Knopf für jedes Stockwerk. Mehrfach. Wiederholt.
Mein innerer Kommentar: „Sehr clever. Je öfter du drückst, desto schneller… passiert… gar nichts.“
 
Moment mal… warum hat der Fahrstuhl eigentlich Glasfenster auf drei Seiten?
Damit man sieht, wie tief man theoretisch fallen könnte?
Ich starre in die Tiefe, während mein Magen Luftsprünge macht. Ja, Höhen sind definitiv nicht mein Ding.
 
Die Türen öffnen sich endlich – im richtigen Stockwerk. Ich atme tief durch und trete hinaus, als hätte ich gerade ein Survival-Abenteuer überlebt.
 
Mein innerer Kommentar: „Nie wieder. Nächstes Mal Treppe. 100 Stockwerke. Egal.“
 
Rolltreppen – auch keine Lösung
 
Die erste Rolltreppe. Noch niedrig. Fast harmlos.
Mein innerer Kommentar: „Okay, das geht noch. Beim dritten Versuch stehe ich auf der ersten Stufe, es geht aufwärts. Kein Drama.“
 
Die zweite Rolltreppe. Höher. Länger. Gefährlicher.
Ich trete auf die erste Stufe – und sofort meldet sich mein Gehirn:
„Das schaffst du nicht! Du wirst fallen! Du wirst rückwärts rollen und mitten im Menschenstrom aufschlagen!“
 
Zweiter Versuch: Mein Fuß zuckt zurück.
Mein Partner steht bereits auf der Treppe, fährt ruhig und gelassen wie ein Profi nach oben und wirft mir einen Blick zu, der sagt: „Na, kommst du auch?“
Atemlos rufe ich hinterher: „Ich nehme den Fahrstuhl!“
 
Dann korrigiere ich panisch: „Nein, besser doch die Rolltreppe… vielleicht seitwärts… oder rückwärts… nein, vorwärts, ganz normal… Moment, ich überlege es mir noch einmal!“
 
Passanten lächeln oder starren. Ich stelle mir vor, sie denken: „Ah ja, sie kämpft mit dem Hightech-Transportgerät.“
Am Ende habe ich es geschafft. Ich stehe zitternd wie ein Minion nach drei Tassen Espresso auf der ersten Stufe, schließe die Augen und schwebe – mit zusammengebissenen Zähnen und hochrotem Kopf – meinem Partner entgegen.
 
Und in diesem Moment schwöre ich mir: „Beim nächsten Mal… bleibe ich einfach beim Fahrstuhl. Oder ich bringe ein Sicherheitsnetz mit.“
 
Restaurantbesuch – soziale Panik-Edition
 
Ich betrete das Restaurant. Die Menschen sind das Problem. So viele Augen. So viele potenzielle Zeugen.
Mein Gehirn flüstert sofort: „Was, wenn du genau hier stirbst? Zwischen Vorspeise und Hauptgang. Öffentlich. Mit Publikum.“
 
Ich setze mich. Mein Herz klopft so laut, dass ich überzeugt bin, der Nachbartisch hört es mit.
Mein Körper beginnt geheime Krisensitzungen abzuhalten: Ist das Panik? Ein medizinischer Notfall? Oder dieser eine ungebetene Mini-Notfall, der unbedingt Aufmerksamkeit möchte?
Mein Gehirn entscheidet: „Alles gleichzeitig. Und bitte sofort.“
 
Ich sitze da, lächle höflich und führe innerlich einen Hochrisiko-Dialog mit mir selbst.
Jeder Moment fühlt sich an wie ein Mini-Thriller, jede Minute bringt ein neues Worst-Case-Szenario hervor.
 „Bleib ruhig“, denke ICH. Mein Körper denkt: „Oder wir eskalieren auf unsere eigene dramatische Art.“
Am Ende passiert – nichts.
 
Krass. Wieder überlebt. Und niemand hat etwas gemerkt.
 
Telefonieren mit der Bürokratie-Bestie
 
Ich wähle die Nummer, und sofort erhebt sich in meinem Kopf ein episches Orchester der Panik.
Am anderen Ende erklingt zunächst die Ansage: „Bitte warten Sie, alle Leitungen sind zur Zeit besetzt.“
Dann beginnt die Musik der Warteschleife – monoton, endlos, jeder Ton ein kleiner Trommelschlag auf mein Nervenkostüm.
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der Anspannung und Panik ausreichend Zeit hatten, sich aufzubauen, meldet sich endlich die Stimme des „Papierkrieg-Kommandanten“ – freundlich, aber mit der Durchschlagskraft eines Katapults.
 
Jede meiner Antworten fühlt sich an wie ein riskantes Manöver in einem Actionfilm: ein falsches Wort, und BÄM – das Formular explodiert (natürlich nur in meiner Vorstellung).
 
Nach 15 Minuten lege ich auf, mein Herz pumpt wie ein Hochgeschwindigkeitszug, und ich fühle mich wie ein Held, der gerade einen Drachen besiegt hat… der Drachen heißt Bürokratie.
 
Angst im Kopf, Oscar für den Mut
 
Eine kleine Angstreise im Alltag abgeschlossen
Treppen bestiegen, Fahrstühle bezwungen, Supermärkte überlebt, Lachgas getrotzt.
Kein Unfall – nur ich und mein innerer Panikmanager, der erleichtert in den Pausenmodus schaltet.
 
Oscar für das beste dramatische Gehirn in einer Nebenrolle namens Überleben.
 
 
 

Dienstag, 16. Dezember 2025

Logistik des Ablebens

 

Logistik des Ablebens

Mein Alltag mit der Angst – ein Sterbeprotokoll in Etappen
 
Meine Angst dreht sich unter anderem um Krankheiten, Sterben, Autofahren und Alleinsein.
Also im Grunde um alles, was der Mensch so täglich macht, ohne dabei tot umzufallen.
 
Kurz gesagt: vor Bewegung, Stillstand und Existenz.
Sehr effizient. Kaum Leerlauf.
 
Ein Symptom, irgendwo
 
Ich habe irgendwo ein Symptom gespürt.
Was in meinem Alter mittlerweile täglich vorkommt.
Irgendwo.
 
Mein Gehirn sofort:
„Okay. Das war es jetzt.“
Google sagt dann:
  • Möglichkeit A: Muskelverspannung
  • Möglichkeit B: Spiel mir das Lied vom Tod
 Mein Gehirn so:
„Endlich jemand, der mich versteht.“
 
Das Spiel, bei dem ich immer verliere
 
Ich spiele regelmäßig „Rate die Krankheit“.
Die Regeln sind einfach:
Egal welches Symptom – ich verliere.
Kopfschmerz? Gehirntumor.
Müdigkeit? Organversagen.
Zu fit? Auch verdächtig.
 
Ärzte sagen: „Alles unauffällig.“
Mein Gehirn:
„Ja klar. Bis jetzt.“
 
Morgens: Der tägliche Kontrollverlust
 
Ich wache morgens oft nicht einfach auf –
ich falle vor Angst aus dem Bett.
 
Mein Herz macht Morgengymnastik, bevor ich überhaupt die Augen aufhabe.
Jeder Muskel fragt: „Warum? Was passiert?“
 
Und mein Gehirn sitzt auf der Bettkante wie ein panischer Coach:
„Steh auf, check deinen Körper, überprüfe alle Organe, denke ans Sterben – los, los, los!“
 
Ich liege da, noch halb unter der Decke,
und überlege ernsthaft, ob ich nicht einfach weiterschlafen
und die Apokalypse auf später verschieben kann.
 
Autofahren: Die mobile Endstation
 
Autofahren ist auch toll.
Ich sitze im Auto und denke nicht:
„Ich fahre von A nach B.“
 
Sondern:
„Ich fahre mit 100 km/h in einer mobilen Metallkiste,
während mein Herz beschlossen hat,
heute spontan neu zu interpretieren, was Rhythmus bedeutet.“
 
Dann kommt die Panikattacke.
Perfektes Timing.
Mein Körper schreit: „Wir sterben!“
Ich frage: „Jetzt?“
Er: „Keine Ahnung. Aber schau mal, wie echt es sich anfühlt.“
 
130 km/h und trotzdem innerlich auf der Flucht
 
Andere fahren in den Urlaub.
Ich fahre in ein mobiles Sterbezimmer mit Gurtpflicht.
 
Schon beim Einsteigen denkt mein Gehirn:
„Mutig. Sehr mutig von dir, dich jetzt 300 Kilometer von einem Krankenhaus zu entfernen.“
 
Auf der Autobahn dann Herzklopfen.
Nicht nur wegen der Geschwindigkeit –
mein Partner darf sowieso nicht schneller als 130 km/h fahren –
sondern weil mein Körper beschließt, genau jetzt eine Generalprobe fürs Ableben zu machen.
 
Wir fahren also mit 130 km/h
und ich denke nicht:
„Schöne Landschaft.“
 
Ich denke:
„Wenn ich jetzt bewusstlos werde,
wie lange dauert es, bis jemand merkt, dass ich tot bin?“
Ich plane innerlich alle Raststätten, Krankenhäuser
und Orte, an denen ich würdevoll versterben könnte.
Je weiter weg, desto besser mein Gehirn.
 
Fähre: Autofahren nur mit Wasser
 
Fähre fahren ist wie Autofahren,
nur mit Wasser
und deutlich schlechteren Fluchtmöglichkeiten.
 
Man fährt mit dem Auto auf die Fähre
und merkt sofort: Alles bewegt sich.
Auch das eigene Herz. Ungefragt.
Ich sitze da und frage mich,
ob Panik auf See eigentlich als Seenot gilt.
 
Nach der Ankunft bin ich nicht erholt.
Ich habe einfach nur einen weiteren Transport überlebt,
bei dem mein Gehirn überzeugt war,
dass Wasser plus Auto ein völlig unnötiges Risiko ist.
 
Am Ziel angekommen bin ich erschöpft.
Nicht vom Reisen.
Sondern davon, dass ich innerlich dreimal beerdigt wurde.
Entspannung pur.
 
MRT: Hightech-Folter mit Terminkalender
 
MRT ist kein Diagnoseverfahren.
MRT ist ein mittelalterliches Folterwerkzeug
in Hightech-Optik.
 
Man wird in eine Röhre geschoben,
darf sich nicht bewegen
und das Ding klingt,
als würde Gott sauer auf Metall schlagen.
 
Mein Gehirn denkt nicht:
„Das ist sicher.“
Es denkt:
„So. Das war’s. Wo ist der Notausgang?“
Und während ich da liege,
eingesperrt, allein,
denke ich:
„Wenn ich hier sterbe,
bin ich wenigstens schon im richtigen Gebäude.“
 
Alleinsein: Ein Raum, viele Szenarien
 
Alleinsein ist besonders perfide.
Sobald niemand da ist, flüstert mein Gehirn:
„Falls du jetzt stirbst –
hier ein grober Zeitplan,
wann man dich findet.“
Serviceorientiert bis zum Schluss.
 
Ich sitze allein auf dem Sofa
und denke nicht:
„Ich entspanne.“
 
Ich denke:
„Wenn ich hier einfach aufhöre zu existieren,
ist das jetzt statistisch ungünstig.“
Dann kommen die Panikattacken.
Keine Attacken – Überfälle.
 
Mein Körper schreit: „Wir sterben!“
Herzrasen, Schwindel, Druck, Kribbeln –
alles Symptome,
die laut Internet entweder harmlos sind
oder historisch relevant.
 
Die eigentliche Zumutung
 
Das Schlimmste ist nicht die Angst vor dem Tod.
Das Schlimmste ist die Angst vor der Angst.
Dass ich täglich tausendmal sterbe –
im Kopf, im Körper, im Gefühl –
und abends trotzdem noch Zähne putze.
 
Mein Leben-
Es ist eine Endlosschleife aus
„gleich ist es vorbei“
und
„ach nee, doch nicht“.
 
Zuverlässig lebendig
 
Ich überlebe jeden Tag.
Sehr unauffällig.
Sehr genervt.
Oft sehr müde.

Oft voller Panik
und atemlos durch die Nacht.

Trotz aller Prognosen.
Trotz innerer Generalproben.
Trotz mehrfach angekündigtem Ende...

Ich breche Rekorde,
die niemand feiern will.

Und dennoch:
Ich bin noch da.
Offiziell lebendig.
Funktionstüchtig.

Wie Kaugummi unter dem Schuh des Lebens.
Leicht zerdrückt, klebrig,
und absolut nicht loszuwerden.

Bonuslevel: Borderline & Angsterkrankung.
Die Angst kriegt einen Megaphonaufsatz,
dreht die Lautstärke auf Maximum und veranstaltet ein Feuerwerk im Kopf.
Popcorn inklusive – leider ohne Pause.